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30.06.2020

Nach Untreueverdacht: Buse-Namenspartner stellt nach U-Haft Strafanzeige gegen Staatsanwaltschaft

Zwei Partner von Buse Heberer Fromm, darunter Namenspartner Hartmut Fromm, mussten in der vergangenen Woche in Untersuchungshaft. Ihnen wurde angelastet, bei der Beratung des Kunstmäzens Dr. Erich Marx nicht mit offenen Karten gespielt und möglicherweise Vermögen ihres Mandanten veruntreut zu haben. Sowohl Fromm als auch der zweite Partner D. sind mittlerweile wieder auf freiem Fuß. Es bestehe kein dringender Tatverdacht, so die Staatsanwaltschaft Berlin. Sie teilte JUVE jedoch auch mit, dass die Ermittlungen fortgesetzt werden. Fromm wiederum hat nach JUVE-Informationen Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft gestellt.

Ulrich Thölke

Ulrich Thölke

Das ‚Handelsblatt‘ und ‚Business Insider‘ hatten am Wochenende über die Inhaftierung der beiden Buse-Partner berichtet. Bereits im Dezember hatte der ‚Tagesspiegel‘ mitbekommen, dass Berliner Strafermittler die Grunewalder Villa von Fromm durchsucht hätten, der den Kunstsammler Marx seit mehreren Jahren beriet. Dieser hatte damals laut Presseberichten Strafanzeige mit dem Anfangsverdacht auf Untreue und Steuerhinterziehung gestellt .

Ein Großteil des Vermögens des 99-Jährigen ist nach JUVE-Informationen bereits an die nächste Generation übertragen worden. Doch soweit bekannt warf Marx Fromm vor, über mehrere Transaktionen und Stimmrechtsthemen dafür gesorgt zu haben, dass sich seine frühere Lebensgefährtin W., die auch Geschäftsführerin eines von Marxʼ Investmentvehikeln war, und der Buse-Partner D. Kontrolle über Marxʼ Vermögensgesellschaften verschafft hatten.

Investmentgeflechte und prominente Fälle

Am vergangenen Mittwoch griff dann die Staatsanwaltschaft Berlin zu, ausgelöst von weiteren Anschuldigungen. Dieses Mal ging es darum, dass Geschäftsanteile unter Wert verschoben worden seien. Die Staatsanwaltschaft konnte jedoch nur den Haftbefehl gegen D. vollstrecken. Fromm, der sich nicht in Berlin befand, stellte sich daraufhin freiwillig. Die Staatsanwaltschaft Berlin bestätigte JUVE, wegen des Verdachts der Untreue zu ermitteln. Grundlage des Haftbefehls sei Fluchtgefahr gewesen.

Ein Sprecher von Buse Heberer Fromm sagte gegenüber JUVE, die Vorwürfe gegen die beiden Partner, die im Rahmen ihrer Beratung auch als Geschäftsführer der Dr. Erich Marx GmbH fungiert hatten, seien haltlos. Zum einen hätte eine Anteilsverschiebung zugunsten der früheren Lebensgefährtin grundsätzlich den zwischen ihr und Marx geschlossenen Erbschaftsverträgen entsprochen. Doch außerdem sei die Übertragung gar nicht vollzogen worden. Dieser Argumentation folgte nun offensichtlich auch der zuständige Haftrichter.

Justus Schmidt-Ott

Justus Schmidt-Ott

Kanzleimitbegründer Fromm ist erfahren in komplexen Vermögensgeschäften: Er hat immer wieder prominente Mandanten zu Nachfolgethemen, steueroptimierenden Gestaltungen von Beteiligungen und bei der Gründung von Stiftungen unterstützt. Seinen Berliner Mandanten Marx hatte Fromm nach JUVE-Informationen ab Sommer 2016 unter anderem zur Änderung bereits getroffener Nachfolgeregelungen beraten. Dies beinhaltete auch eine Neustrukturierung persönlicher Beteiligungsgesellschaften und die Regelung der Stimmverhältnisse in Gesellschaften und Organen.

Nach seiner Entlassung – so erfuhr JUVE aus Berliner Kreisen – stellte Fromm wiederum selbst eine Strafanzeige gegen die Staatsanwaltschaft. Anlass dafür soll nach JUVE-Informationen die Annahme sein, die Ermittler hätten Geheimnisverrat begangen, als sie Erkundigungen bei Fromms Gegenseite einholten.

Vertreter Erich Marx
Danckert Bärlein Sättele (Berlin): Dr. Jakob Danckert, Manuel Operhalsky (Strafrecht)
KPMG Law: Dr. Ulrich Thölke (Berlin), Mark Pawlytta, Dr. Philipp Pfeiffer, Laura Everlien (alle Frankfurt)

Vertreter Hartmut Fromm
Heinichen Laudien (Berlin): Cord Heinichen (Strafrecht)

Vertreter D. 
Gentz und Partner (Berlin): Jens von Wedel

Vertreter W.
Ignor & Partner (Berlin): Prof. Dr. Dr. Alexander Ignor, Dr. Camilla Bertheau (Strafrecht)
Raue (Berlin): Dr Justus Schmidt-Ott

Hintergrund: Alle Vertreter sind aus dem Markt bekannt.

Nach JUVE-Informationen ist Danckert Bärlein schon länger für Marx tätig, sie kommt regelmäßig über Empfehlungen zu ihren prominenten Mandanten, die sie in steuer- und strafrechtlichen Themen unterstützt.

KPMG Law vertritt Marx gerichtlich und außergerichtlich in den zivilrechtlichen und gesellschaftsrechtlichen Streitigkeiten gegen W. und Fromm. Zudem hat das Rechtsteam der Big-Four-Gesellschaft den Kunstmäzen auch mit Blick auf erbrechtliche Fragen beraten. Der Kontakt zu KPMG Law-Partner Thölke kam über das KPMG-Netzwerk zustande. 

Fromm setzt nach JUVE-Recherchen mit Blick auf die strafrechtlichen Ermittlungen auf Heinichen, der in den vergangenen Jahren beispielsweise auch den früheren CDU-Spitzenpolitiker und Ex-Chef der Pfandbriefbank Berlin Hyp Klaus Landowsky vertreten hatte.

Der zweite Buse-Partner mandatierte den Berliner Anwalt von Wedel. Dieser vertritt D. dem Vernehmen nach sowohl zivil- als auch strafrechtlich.

Die frühere Lebensgefährtin von Marx hat für die zivilrechtliche Auseinandersetzung den Raue-Partner Schmidt-Ott mandatiert. Strafrechtlich vertraut sie auf die Berliner Boutique Ignor & Partner.

Buse Heberer Fromm, der die Staatsanwaltschaft keine Vorwürfe macht, zog zur Beurteilung der Lage die Namenspartner der Münchner Boutique Schmitt Reichert Partners hinzu. Laurenz Schmitt und Maximilian Reichert hatten früher bei Linklaters zusammengearbeitet, bevor sie 2019 ihre eigene Dispute-Resolution-Kanzlei gründeten. (Daniel Lehmann, Sonja Behrens)

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