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09.07.2020

Stadtplan-Erbe: Viereinhalb Jahre Haft für Gercke-Mandant Alexander Falk

Viereinhalb Jahre Haft wegen Anstiftung zu gefährlicher Körperverletzung. So lautete heute das Urteil im Prozess vor dem Landgericht Frankfurt gegen den Hamburger Internetunternehmer Alexander Falk. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert, die Staatsanwaltschaft sechs Jahre gefordert. Bis zum heutigen Urteil saß Falk bereits 22 Monate in Untersuchungshaft. Die Verteidiger von Falk kündigten bereits Revision gegen das Urteil an.

Björn Gercke

Björn Gercke

Die Kammer, so hieß es in der Urteilsbegründung, sah es als erwiesen an, dass der 50-Jährige einen Mittelsmann beauftragt hatte, im Februar 2010 auf einen Frankfurter Rechtsanwalt zu schießen. Dieser arbeitete früher bei Clifford Chance und ist heute bei DLA Piper tätig. Falk bestreitet die Vorwürfe. Im Prozess hatte er lediglich gesagt, den Diebstahl eines Laptops von Clifford in Auftrag gegeben zu haben. Damit wollte er in einem Rechtsstreit seine Unschuld beweisen.

Mit dem jetzigen Urteil endet ein langwieriges Verfahren vorerst: Nach dem Beginn im August vergangenen Jahres waren ursprünglich 18 Verhandlungstage angesetzt, schließlich beschäftigte sich das Gericht an 44 Verhandlungstagen mit dem Fall. Dass es nach so vielen Jahren überhaupt zu dem Prozess kam, lag an einem Zeugen, der sich vor zwei Jahren bei der Polizei meldete, nachdem Clifford und DLA eine Belohnung von 100.000 Euro ausgeschrieben hatten.

Der Fall hat seinen Ursprung Ende 2000, als Falk seine Firma Ision an das britische Unternehmen Energis verkaufte, die seinerzeit von Clifford beraten wurde. Ision meldete später Insolvenz an, die Bilanzen waren für den Verkauf gefälscht worden. Das spätere Anschlagsopfer und ein weiterer Clifford-Partner setzten damals die Ansprüche für die Insolvenzverwalterin durch und stellten mit einem Forderungsbetrag von 763 Millionen Euro den seinerzeit wohl höchsten Adhäsionsantrag, der je in Deutschland zur Debatte stand.  

Das Gericht schloss sich mit seinem Urteil weitgehend der Ansicht der Staatsanwaltschaft an. Diese war davon überzeugt, dass der ehemalige Star der New Economy das Attentat in Auftrag gegeben hatte, weil das spätere Opfer zu besagtem Zeitpunkt mit Härte gegen Falk vorgegangen war und einen großen Teil seines Vermögens arrestiert hatte. Zeitweise zählte Falk zu einem der 100 reichsten Deutschen. 2008 verurteilte ihn das Landgericht Hamburg wegen versuchten Betrugs zu vier Jahren Haft.

Glaubwürdige Opfer-Aussage

Die Staatsanwaltschaft hatte in ihrem Plädoyer die Aussage des Opfers als glaubwürdig eingestuft. Dieses berichtete von zahlreichen Bedrohungen gegen ihn und seine Familie, inklusive anonymer Anrufe, einer eingeschlagenen Haustür und schließlich dem Schuss in den Oberschenkel. Das heimlich aufgenommene Tonband, das im Prozess abgespielt worden war und auf dem sich Falk offenkundig über den Anschlag freute, sei zwar manipuliert, deute aber trotzdem auf Falk als Auftraggeber hin. Hinzu kamen die Angaben einer Vertrauensperson des LKA, ein Erpresserbrief mit Täterwissen und der Kronzeuge.

Die Verteidiger Falks hatten das ganz anders gesehen: Falk habe keinen Auftrag erteilt und auch nichts von den Einbrüchen gewusst. Alles, was der Kronzeuge gesagt habe, sei falsch. Der Mann habe nur die 100.000 Euro Belohnung kassieren wollen. Um zu beweisen, dass es keinen Auftrag gab, hatte die Verteidigung noch am Montag erneut die Vernehmung zweier Brüder als Zeugen beantragt, die sich derzeit in der Türkei befinden. Die Kammer lehnte dies ab.

Im Laufe des Prozesses hatten eine Reihe von Anwälten als Zeugen ausgesagt: Neben dem Opfer selbst war darunter auch sein damaliger Clifford Chance-Partner Sebastian Rakob. Wegen der Belohnung hatte das Gericht außerdem Uwe Hornung von Clifford und Dr. Konrad Rohde von DLA geladen. Als Zeuge sagten zudem Heuking Kühn Lüer Wojtek-Partnerin Dr. Elke Umbeck und Dr. Jan Willisch von Göhmann aus. Beide waren seinerzeit im Hamburger Büro von Freshfields Bruckhaus Deringer beschäftigt.

Vertreter Alexander Falk
Gercke Wollschläger (Köln): Prof. Dr. Björn Gercke, Dr. Kerstin Stirner (Strafrecht)
Höcker (Köln): Prof. Dr. Ralf Höcker; Associate: Dr. Anna Sophie Heuchemer (beide Presserecht)

Zeugenbeistände
Marcus Steffel (Frankfurt): Marcus Steffel – für das Opfer
Rosinus Partner (Frankfurt): Dr. Christian Rosinus – für Konrad Rohde
Bossi & Ziegert (München): Prof. Dr. Ulrich Ziegert – für Uwe Hornung

Staatsanwaltschaft Frankfurt
Nicole Metcalf, Dr. Wanja Welke (Staatsanwälte)

Landgericht Frankfurt
Dr. Jörn Immerschmitt (Vorsitzender Richter), Dr. Wolfhard Steinmetz, Iris Möhrle

Hintergrund: Der Kölner Strafrechtler Gercke von Gercke Wollschläger hat das Mandat 2018 von Gerhard Strate übernommen. Im ursprünglichen Verteidigerteam war auch Thomas Bliwier von bdk Rechtsanwälte, der im Verlauf des Verfahrens ausgestiegen war. Gercke führte das Mandat über weite Strecken gemeinsam mit seinem Partner Daniel Wölky. Als Letzterer sich Anfang 2020 selbstständig machte, übernahm Stirner seinen Part. (Eva Flick)

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