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01.10.2020

Wer tritt gegen Schalke an? Landgericht spielt Ball zurück an Bayerischen Fußballverband

Der Bayerische Fußball-Verband (BFV) sucht weiter nach einem Verein für die 1. Runde des DFB-Pokals. Gegen die Entscheidung, den 1. FC Schweinfurt 05 zu melden, war der aufgestiegene Drittligist Türkgücü München im Eilverfahren erfolgreich beim Landgericht München I vorgegangen. Im Widerspruchsverfahren hat dasselbe Gericht nun die einstweilige Verfügung teilweise aufgehoben und abgeändert. Der BFV muss erneut entscheiden, welcher Verein gegen Schalke 04 spielt (Az. 37 O 11770/20).

Martin Stopper

Martin Stopper

Normalerweise steigt der Meister der bayerischen Regionalliga in die Dritte Liga auf und wird auch zum DFB-Pokal gemeldet. Mit einer Änderung der Spielordnung entschied der BFV in der Hochphase der Corona-Epidemie, die laufende Spielrunde frühzeitig abzubrechen. Im Konsens kam es zu dem Entschluss, den damals Erstplatzierten der Liga, Türkgücü München, aufsteigen zu lassen und den Zweitplatzierten aus Schweinfurt zum DFB-Pokal zu melden.

Die Kartellkammer des Landgerichts München I hat dem BFV nun aufgegeben, die Meldung von Schweinfurt 05 zu widerrufen und über die Meldung zur 1. DFB-Pokalrunde erneut zu entscheiden. Der BFV hat der Kammer zufolge nun zwei Möglichkeiten: Entweder er benennt Türkgücü auf der Grundlage der Spielordnung vom 5. Mai oder er ändert die Spielordnung erneut. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) muss den Widerruf und die Neumeldung durch den BFV zulassen. Und auch die Vereine könnten erneut gegen die Meldung Rechtsschutz suchen.

Die Verbände trieb mit Blick auf das anstehende Urteil die Sorge um, dass das Gericht in ihre Verbandsautonomie eingreift und selbst entscheidet, wer zum DFB-Pokal gemeldet wird. Diesen Affront hat das Gericht umschifft. Es gesteht dem BFV verbandsautonome und kartellrechtskonforme Entscheidungen zu, wenn sie einer sauberen Grundlage etwa in Form einer Spielordnung entspringen und zudem noch gut begründet sind.

David Menz

David Menz

Wie eine solche Begründung aussehen muss, blieb bis zuletzt unklar. Nach JUVE-Informationen hatte das Gericht in seiner einstweiligen Verfügung angedeutet, dass die Corona-Pandemie als Grund für die Meldung von Schweinfurt nicht gelten könne. Auch wenn das Gericht versucht hat, die Verbandsautonomie zu schützen, sehen einige Sportrechtler die Gefahr, dass das Verfahren Vereine ermutigt, gegen Verbansentscheidungen im Eilrechtsschutz vorzugehen und die Verbandsautonomie auf diesem Weg zu schädigen. 

Gegen das Urteil können beide Streitparteien mit einer Frist von einem Monat vor dem Oberlandesgericht München Berufung einlegen. Am 15. Oktober wird die zweite DFB-Pokal-Hauptrunde ausgelost. Dass das OLG noch vor dem Termin zur Auslosung eine weitere Entscheidung fällt, ist unwahrscheinlich. Dennoch ist es denkbar, dass nicht zuletzt der BFV den Weg in die Berufung geht, allein um das Urteil hinterfragen zu lassen. Die gleichzeitige Meldung eines bayerischen Vereins zum DFB-Pokal steht dem nicht im Weg.

Vertreter Türkgücü München
Martens (München): Dr. Heiner Kahlert; Associates: David Menz (Federführung), Maximilian Wegge (alle Sportrecht)

Vertreter Bayerischer Fußballverband
Lentze Stopper (München): Dr. Martin Stopper, Marc Schneider (beide Sportrecht)

Vertreter Deutscher Fußball-Bund
Summerer Ouart Söffing & Partner (München): Dr. Thomas Summerer (Sportrecht)

Landgericht München I, 37. Kammer
Dr. Gesa Lutz (Vorsitzende Richterin)

Thomas Summerer

Thomas Summerer

Hintergrund: Türkgücü hat sowohl den BFV als auch den DFB verklagt. Dazu wurde der Münchner Verein von der Sportboutique Martens begleitet. Das Verfahren führte Managing-Associate Menz. Die Kanzlei bietet wie die meisten auf das Geschäft mit dem Sport fokussierten Einheiten ein Gesamtberatungspaket von Litigation inklusive Schiedsverfahren und Vereinsrecht bis hin zu Sponsoring. Bekannt ist, dass Martens unter anderem auch den 1. FC Köln berät, zuletzt etwa im Zusammenhang mit dem Transfer von Anthony Modeste nach China.

Zu den im Fußball-Umfeld tätigen Kanzleien gehört auch die Münchner Kanzlei Lentze Stopper. Der Kartellrechtler Stopper berät den BFV bereits seit Beginn der Pandemie umfassend unter anderem zu Satzungsfragen. Die Kanzlei ist auch für ihre Arbeit für internationale Sportverbände bekannt.

Vom DFB war in diesem Verfahren wieder der erfahrene Sportrechtler Summerer beauftragt. Er war lange Jahre in der Rechtsabteilung der Deutschen Fußball-Liga, wechselte dann aber in die Anwaltschaft, wo er bei CMS Hasche Sigle und der Kanzlei Nachmann gearbeitet hat. Seit drei Jahren ist er Partner der in München und Düsseldorf ansässigen interdisziplinären Kanzlei Summerer Ouart Söffing, die sportrechtliche Beratung mit Steuerrecht kombiniert. Summerer war einer breiteren Öffentlichkeit als Vertreter von Claudia Pechstein in einer millionenschweren Schadensersatzklage gegen den Eisschnelllauf-Weltverband ISU bekannt geworden. (Martin Ströder; mit Material von dpa)

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