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11.02.2021

Datenaffäre: Wirbel um Kanzleimandatierungen beim VfB Stuttgart

Eine Datenaffäre und der Kampf um das Sagen in den Führungsetagen belasten seit Monaten den VfB Stuttgart. Inzwischen läuft ein Bußgeldverfahren wegen möglicher Datenschutzverstöße, außerdem wurde die Staatsanwaltschaft wegen Geheimnisverrats eingeschaltet. Inzwischen sind mehrere Kanzleien involviert und selbst das hat innerhalb der Gremien offenbar zu Konflikten geführt.

Stefan Seitz

Stefan Seitz

Wie vergangene Woche durchsickerte, hat die Kölner Kanzlei Seitz die rechtliche Bewertung der Ermittlungsergebnisse von Esecon übernommen. Und zwar technisch gesehen als Unterbevollmächtigte von Esecon, mit Billigung des Präsidiums. Der Spiegel zitiert aktuell aus der rechtlichen Bewertung von Seitz: „Die Vereinsmitglieder seien arglistig getäuscht worden, rechtliche Schritte gegen die Verantwortlichen im Verein seien deshalb zu prüfen und die Abberufung von Präsidiumsmitgliedern naheliegend.“

Nach Enthüllungen des Sportmagazins Kicker im vergangenen September untersuchte die Kanzlei Esecon mögliche Datenschutzverstöße von erheblichem Ausmaß. Zwischen 2016 und 2018 sollen vom VfB wiederholt Zehntausende Mitgliederdaten an Dritte weitergereicht worden sein – unter anderem, um die im Sommer 2017 beschlossene Ausgliederung der Profiabteilung voranzutreiben. Die Datenaffäre belastet den schwäbischen Traditionsverein seit Monaten.

Inzwischen hat der Landesbeauftragte für den Datenschutz in Baden-Württemberg, Stefan Brink, mitgeteilt, dass er gegen die AG des VfB ein Bußgeldverfahren eröffnet hat. „Die Datenschutz-Grundverordnung sieht in solchen Bußgeldverfahren ein erhebliches Bußgeld vor, das bis zu 20 Millionen Euro betragen kann“, sagt Brink. Nach JUVE-Informationen haben AG und e.V. zur datenschutzrechtlichen Beratung Haver Mailänder beauftragt. Die Kanzlei, die langjährige Verbindungen zum Verein hat, wollte gegenüber JUVE diese Information aber nicht bestätigen.

Geheimnisverrat beim VfB?

Björn Gercke

Björn Gercke

Vergangene Woche teilte Club-Präsident Claus Vogt außerdem mit, dass er die Staatsanwaltschaft eingeschaltet habe. Es stehe der Verdacht eines Geheimnisverrats im Raum. Worum es dabei genau geht, ließ Vogt offen. Medienanfragen hätten ihn zu dem Schritt veranlasst, schrieb er, ohne Details zu nennen. Für diesen Schritt hat der Verein Prof. Dr. Björn Gercke von Gercke Wollschläger beauftragt. Es wird spektuliert, dass es um Details aus dem Esecon-Bericht geht, die an die Presse gelangt sind. In presse- und äußerungsrechtlichen Fragen stützt sich der e.V. auf Gernot Lehr von Redeker Sellner Dahs. „Unabhängig von der leider nun notwendig gewordenen Einschaltung der Staatsanwaltschaft, sollte im Mittelpunkt nach wie vor die Aufklärung der Datenaffäre stehen“, erklärte Vogt.

Der Umgang mit der Datenaffäre gilt als ein zentrales Thema des Machtkampfes, der seit Wochen in der Vereinsführung tobt. Medienberichten zufolge steht auf der einen Seite Vogt, aktuell Präsident des Vereins und Aufsichtsratsvorsitzender der AG. Er genießt großen Rückhalt bei der Fanbasis. Seine Kontrahenten kommen aus dem Lager um den aktuellen Vorstandsvorsitzenden der AG, Thomas Hitzlsperger, der Vogt wiederholt scharf kritisiert hatte.

Gleiss gilt als ‚Daimler-Kanzlei‘

Im Zuge dessen ist sogar die Mandatierung von Kanzleien zum Zankapfel geworden. Medienberichten zufolge wollten Teile des Aufsichtsrates die rechtliche Bewertung des Esecon-Gutachtens an Gleiss Lutz vergeben. Präsident Vogt habe eine Mandatierung von Daimler-Beraterin Gleiss allerdings für unglücklich gehalten, heißt es. Daimler ist Ankeraktionärin der VfB-AG seit der Ausgliederung der Profi-Abteilung. Um Interessensverquickungen zu vermeiden, wollte Vogt mit Seitz lieber eine Kanzlei ohne Bezug zum VfB-Umfeld beauftragen, heißt es.

Nun soll es nach Berichten der Bild-Zeitung noch zwei weitere Gutachten geben: Und zwar von Osborne Clarke für die AG und von Gleiss für den Aufsichtsrat. Nun ist es in so umstrittenen Fällen nichts Außergewöhnliches, dass Organe unterschiedliche Rechtsberater beauftragen. Undurchsichtig wird es allerdings, wenn – wie hier – die unterschiedlichen Gremien mit denselben Akteuren besetzt sind. Und e.V.-Präsident Vogt in seiner Eigenschaft als Aufsichtsratsvorsitzender der AG dann doch die Mandatierung einer Kanzlei mitverantworten muss, die er als Vereinspräsident eigentlich abgelehnt hat.

Man kann davon ausgehen, dass im Lichte der Entwicklungen bereits weitere Anwälte ihre Arbeit aufgenommen haben. Wie zu hören ist, hat der Stuttgarter Arbeitsrechtler Prof. Dr. Stefan Nägele, Namenspartner der Kanzlei Naegele, die Vertretung eines Vorstandsmitglieds übernommen. (Christiane Schiffer; mit Material von dpa)

 

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