Artikel drucken
09.06.2021

Fußball auf Kreuzfahrt: Fifa und Tui Cruises vergleichen sich im Streit um Free-TV-Ausstrahlung

Der Weltfußballverband Fifa und die Kreuzfahrtgesellscharft Tui Cruises haben sich im Streit um die Free-TV-Übertragung von Fußballspielen auf Kreuzfahrtschiffen (Az. 310 O 312/19) geeinigt. In dem Vergleich erkennt Tui die Rechte der Fifa an und muss künftig sogenannte In-Ship-Rechte erwerben. Lizenzvermarkter IMG streitet weiter vor Gericht um Schadensersatz. In dem Verfahren geht es noch um die ungeklärte Frage, ob IMG einen eigenen urheberrechtlichen Anspruch geltend machen kann.

Piet Bubenzer

Piet Bubenzer

Im Sommer 2018 hatte Tui die von ARD und ZDF live übertragenen Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft sowie Teile der Frauen-Weltmeisterschaft im Jahr 2019 in internationalen Gewässern auf Kreuzfahrtschiffen gezeigt, ohne einen Lizenzvertrag mit der zuständigen Rechteagentur IMG Media Limited. Diese war von der Fifa offiziell damit beauftragt, diese Ausstrahlungsrechte im In-Ship- oder In-Flight-Bereich zu klären. 

Jörg von Appen

Jörg von Appen

Nachdem zuerst die IMG selbst am Landgericht Hamburg Klage auf Schadensersatz eingereicht hatte, klinkte sich die Fifa im Sommer 2020 ebenfalls als Klägerin ein. Die mündliche Verhandlung am 15. April 2021 vor der Urheberstreitkammer gab deutlich zu erkennen, dass Tui Cruises bei der Wiedergabe der frei empfangbaren Spiele auf ARD und ZDF die Urheberrechte der Fifa zu respektieren habe. In der Folge einigten sich die beiden Streitparteien auf einen Vergleich, in dem Tui Cruises die Rechte der Fifa am sogenannten Basissignal anerkennt. Künftig wird Tui Cruises von einer öffentlichen Wiedergabe auf Kreuzfahrtschiffen in internationalen Gewässern absehen oder sich diese lizensieren lassen.  

Der Streit zwischen IMG und Tui Cruises ist am Landgericht Hamburg noch anhängig, ein Urteil wird am 18. Juni 2021 erwartet. IMG ist als Vermarkter von Lizenzen auch für andere Veranstaltungen im Sportbereich tätig. Damit ist die Klage auch über die Fifa-Veranstaltungen hinaus für das Unternehmen bedeutsam.

Vertreter Fifa
Inhouse Recht (Zürich): Alexander Hettel (Legal Counsel, Content und Media)
Klinkert Rechtsanwälte (Frankfurt): Piet Bubenzer, Dr. David Jahn (beide Urheber-/Medienrecht/Litigation)

Vertreter Tui Cruises
Inhouse Recht (Hamburg): Amely Haußer (General Counsel) – aus dem Markt bekannt
Blueport Legal (Hamburg): Jörg von Appen, Nadine Mannshardt

IMG Media Limited
Osborne Clarke (Hamburg): Dr. Martin Soppe (Federführung), Dr. Arne Neubauer, Konstantin Ewald, Judith Hoffmann (beide Köln; alle Medienrecht)

Landgericht Hamburg, 10. Zivilkammer
Claus Hartmann (Vorsitzender Richter)  

Hintergrund: Die Frankfurter Kanzlei Klinkert wurde in diesem Verfahren erstmals umfangreich von der Fifa mandatiert, bislang war sie nur punktuell tätig. Die Medienboutique ist bekannt im Urheberrecht mit einem Schwerpunkt im Sport. So berät sie beispielsweise immer wieder die DFL bei der Vergabe der Bundesliga-TV-Rechte. 
Das Team um den bekannten Sportrechtler von Appen ist seit einigen Jahren für Tui Cruises tätig und berät regelmäßig zu medien- und lizenzrechtichen Themen auf den Schiffen, etwa auch bei Veranstaltungen. 
Die Urheberrechtler um den Hamburger Partner Soppe von Osborne Clarke sind seit Beginn der Verfahren in 2019 für IMG tätig. Der Kontakt zum Unternehmen kommt ursprünglich über die Beziehungen des Kölner Partners Ewald zur Muttergesellschaft Endeavor. (Anika Verfürth)

  • Teilen