CLOSING 03/12

Was Associates wirklich wollen

Was Associates wirklich wollenvon Marcus Jung

Ach, wie simpel gestrickt das Thema Personal mal war. Um ein echtes juristisches Talent zu entdecken, genügte die altbewährte NJW-Anzeige: Abitur, Doktortitel, mindestens Vollbefriedigend im ersten und zweiten Examen. Schon war damals ein Stapel mit vier, fünf Kandidaten fertig. Die hatten dann zwar vom Anwaltsberuf keinen blassen Schimmer – aber hey, welche Kanzlei hatte da schon Personalentwicklung auf ihrer Agenda?

Wehe, ein Junganwalt fragte nach einer theoretischen Fortbildung. Sollten die überbezahlten Zeitdiebe doch froh sein, aus der täglichen Mandatsarbeit zu lernen! Nach fünf Jahren im Beruf waren sie dann sowas von ausgebrannt, dass sie die vorbereiteten Aufhebungsverträge bereitwillig unterschrieben.

Revolutionäres Gedankengut. Heute, lieber Kanzleimanager, liegt der Leidensdruck bei Ihnen. Sagt Ihre Intuition, dass etwas Unheilvolles auf Sie zurollt? Dank azur100 hat der Jura-Assessor ja ALLES über Ihre Sozietät auf seinem iPad gespeichert. Und hat er sich als selbstbestimmtes Wesen erst mal erfolgreich bei Ihnen eingenistet, rottet er sich mit Gleichgesinnten zusammen und macht auf Transparenz, zumindest wenn er mit uns JUVE-Redakteuren redet.

Ein ganz sanfter Einstieg: Bei Ashurst scheint alles ganz knorke zu sein. Neben der Mandatsarbeit haben ihre Anwälte sogar die Zeit, über Stil und Farbgebung der Ashurst-Website zu diskutieren. Die erinnere nämlich eher an eine Werbeagentur und sei sowas von 2001. Und überhaupt passe „dunkelblau besser zu einer Kanzlei, die es seit 1822 gibt.“

Wer jetzt einen kreativen Thinktank bei Hengeler Mueller erwartet hätte, sei bitte nicht zu bitter enttäuscht. Ihren Laden zeichne eine furchtbare Streberatmosphäre aus, finden junge Hengeler-Anwälte. Aber Obacht! Unter dem Label Work-Life-Balance fängt Hengeler an, die Stunden von Associates systematisch zu erfassen, um die Arbeit effizienter zu verteilen und Belastungsspitzen abzufedern. Für den deutschen Top-Player der Durchbruch zur Kanzlei 2.0? „Bei einigen Kollegen hat das zur Verunsicherung geführt“, so eine Quelle. Kein Wunder, denn „harte Arbeit“ ist und bleibt das Benzin für den Karrieremotor jedes Hengeler-Anwalts. Und weil die Partner die Auswertung ja nun auf dem Tisch haben, dürfte unsere Quelle mittlerweile einige Kollegen weniger haben.

Ihr Engelsgleichen, spottet nicht zu früh über den großen Rivalen. Mit der ,Corporate Social Responsibility‘ bei Freshfields es ja so eine Sache. Laut den Nachwuchsanwälten sollte man mit dem Thema Verantwortung nämlich auf den deutschen Bürofluren anfangen, „bevor man über Häuserbauen in Ghana nachdenkt.“ Selbst bei so hehren Motiven wie CSR rechnen Associates heute auf.

Tokio Hotel. Vom heißen Westafrika zu japanischen Schlafkabinen. Die und eine erfrischende Dusche wünscht sich ein offenbar leicht überdrehter Frankfurter Anwalt von Sullivan & Cromwell. Total irre seien die Arbeitszeiten. Auf über 4.000 Billable Hours im Jahr brächten es einige seiner Kollegen. „Homeoffice mache ich an Ostern und Weihnachten“, meint unser Mann. Klar, dass ein fürsorglicher Arbeitgeber wie Sullivan bei so einer Auslastung dann mehr springen lässt als ein unbequemes Feldbett und einen stinkenden Campingkocher fürs Büro. Ihre atemberaubenden Gehälter sollen ja turmhoch über denen von Milbank liegen. „Aber darüber berichtet ihr ja nie“, heißt es beleidigt.

Um unseren guten Sullivan-Kontakt etwas zu versöhnen: Auch bei anderen Kanzleien gibt es zwischenmenschliche Defizite. Beiten Burkhardt treibt mit ihrem Nachwuchs ein perfides Bäumchen-Wechsel-Dich: „Altpartner gaukeln Eigengewächsen Partnerchancen vor, und wenn dann diese massenhaft aussteigen, holt die Kanzlei günstige Laterals als Salary-Partner hinzu“, schreibt ein Beiten-Anwalt. Auch etwas verwirrt? Wie dem auch sei. Bereits erwähnte Milbank, die immer noch sehr respektable 125.000 Euro Einstiegsgehalt zahlt, „versteckt ihre Associates ja vor Mandanten“. In welchem sonderangefertigten Wandschrank 25 Erwachsene verschwinden sollen, lassen wir mal im Raum stehen. Aber wäre das nicht für Sie eine spannende Managementherausforderung?

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