CLOSING 07/12

Too big to fail

von Ulrike Barth

Too big to failEs ist gerade einmal fünf Jahre her, da flirtete Ralph Baxter (Orrick) heftig mit Steven Davis (damals: Dewey Ballantine). Ihre kurze, aber heftige Zuneigung verflüchtigte sich damals schnell, weil ihre Partner diese Liebe nicht teilten. Die Fusionitis war und ist eigentlich bis heute bei (US-)Kanzleien groß in Mode. Doch was wäre eigentlich, wenn die oft ambitionierten Pläne gelungen wären? Eine Mega-Großkanzlei-Utopie.

In den USA entsteht 2007 durch das Zusammengehen von Dewey Ballantine, Orrick, LeBoeuf Lamb Green & McRae, Covington & Burling, Weil Gotshal & ­Manges, Greenberg Traurig und SNR ­Denton die größte Kanzlei der Welt. Es entsteht ein Beratungsunternehmen mit über 10.000 Mitarbeitern, 103 Büros in 42 Ländern und einem jährlichen Gesamtumsatz von 5,9 Milliarden US-Dollar, das künftig als DOLCWeGS fimiert.

Die Krisenjahre übersteht DOLCWeGS, indem sie ihren Wachstumskurs in Asien, Australien und im Nahen Osten voran treibt. Nachdem DOLCWeGS die größte chinesische Kanzlei auch finanziell intergiert hat, stellt die Sozietät ihr Bilanzierungssystem weltweit auf Renmimbi um. Die Partner der europäischen Büros haben da die Finale-Merger-Phase schon längst hinter sich gelassen (▶Die vier Bewusstseins-Stufen im US-Merger).

Im Markt gibt es immer deutlicherer Konsolidierungstendenzen, bei denen sich nur die wirklichen Big Player durchsetzen können. Neben DOLCWeGS ist das vor allem Konkurrentin DLA HoLo Baker. Beide teilen den Markt nun weitestgehend unter sich auf.

Als 2020 die Facebook-Blase platzt, ist es mit der Euphorie vorbei. Die von einem 50-köpfigen Gremium geführte Kanzlei, die nun nur noch unter DOLC firmiert, gerät ins Wanken.

Die ASEAN beschließt, einen Rettungsschirm für Kanzleien zu schaffen, da die Industrie auch weiterhin auf deren Beratungsleistung angewiesen sein wird. Die nun staatseigenen Unternehmen vergeben ihre Mandate zur besseren Koordinierung in Fünf-Jahres-Plänen. Anträge auf Beratung können beim zuständigen Wirtschaftsministerium heruntergeladen werden.

Gleichzeitig wird in den USA die erste Auffanggesellschaft für Anwälte gegründet. Freshfields Linklaters & Hengeler berät US-Präsident Mark Zuckerberg bei der Strukturierung der ersten „bad law firm“, die Partner mit besonders hohen Pensionsansprüchen auffängt.

Die vier Bewusstseins-Stufen im US-Merger

to merge [engl. für: fusionieren, verbinden, verschmelzen]

Das Votum ist geglückt, die Nachricht ist draußen. Der Merger mit der großen US-Kanzlei ist perfekt! Jetzt wird sich das Geschäft sicher prächtig entwickeln. Adieu, deutsche Piefigkeit. Wir sind jung, wir sind modern, wir haben einen schicken englischen Namen am Klingelschild stehen. Jetzt greifen wir die Marktführer an und rollen den Markt von hinten auf. Eine Verdopplung der Anwaltszahlen in vier Jahren sollte bei den Aussichten drin sein.

to merge (in) [engl. für: tilgen, aufgehen (in), verschmelzen (mit), aufgehen lassen (in)]

Die nächtlichen Videokonferenzen mit dem Kanzlei-Management versprühen den Charme von internationalem Big Business und auch beim Mandanten kommt das neue Image gut. Jetzt müssen wir nur noch die Beratungsqualität vereinheitlichen und mehr Honig aus dem Cross-Border-Geschäft saugen, sagt New York.

to merge (into) [engl. für: einverleiben, übergehen (in), zusammenlegen (in)]

Die Stundensatz-Vorgaben sind jetzt an das US-Niveau angepasst worden, „um nach einer Übergangszeit von zwei Jahren nun auch die finanzielle Integration aller Standorte voranzutreiben“, so der alleinige Managing-Partner, der seit einem Monat das sechsköpfige Exekutive Komitee ersetzt. Ach ja, und bei den Einlagen müssen wir auch nochmal nachschießen: vermutlich um die 500.000 bis 600.000 US-Dollar pro Jahr. Quereinsteiger in Deutschland? Da geht die Expansion in Asien jetzt leider erst mal vor, vielleicht in drei Jahren wieder.

to merge (into the crowd) [engl. für: in der Menge aufgehen]
Neu-Partner? In diesem Jahr steht leider keiner an. Ja, klar der Wechsel des IP-Teams hat schon weh getan. Aber wir müssen uns jetzt stärker auf unser Key Clients fokussieren und die Praxisgruppen noch enger auf das Bedürfnis der Mandanten zuschneiden.

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