CLOSING 09/12

„I thank the Academy…“

von Marcus Jung

Liebe Anwälte,

wie jeden Spätsommer fragen Sie sich: Wer wird Kanzlei des Jahres? Wie kommt die JUVE-Redaktion zu ihrem Urteil? Um die Transparenz zu wahren, anbei das Schreiben, das Anfang 2012 allen Business-Development-Abteilungen mit der Bitte um zeitnahe Rückmeldung zugesandt wurde. Sie sehen, wir recherchieren auf verschiedenen Kanälen!

An die JUVE
Köln

Liebe JUVE-Redaktion, leider kennen wir uns noch nicht persönlich, aber ich wollte uns mal als Kanzlei des Jahres in Spiel bringen. Getreu ­unserem Kanzleimotto • Primus inter pares • Full-Service aus ganzen Herzen • Der Letzte macht das Licht aus • Chasing cars, hunting ­elephants hatten wir das spannendste Jahr unserer Kanzleigeschichte.

Als • traditionelle mittelständische Sozietät • von den Chinesen aufgemotztes Kanzleivehikel • Spin-off von Freshfields • deutscher Top-Player mit ganzheitlichen Ansatz sind wir hervorragend aufgestellt.

Mit • einem Mandanten, der seinen Namen partout nicht lesen will • Goldman Sachs, Lufthansa und der Deutschen Bahn • einem Dax-Konzern aus Wolfsburg • dem Scheidungskrieg unseres Senior-Partners konnten wir ein echtes Highlight in unserer Mandatsarbeit setzen!

Nun zu den Themen, die unsere Kanzlei im Berichtszeitraum nachhaltig beschäftigt haben. Die Energiewende • schafft man auch ohne uns • ist eine tolle Gelegenheit, sich fachübergreifend in der Mandatsarbeit auszuzeichnen • war ein Anlass, mit dem Fahrrad ins Büro zu kommen • ist den Chinesen egal.

Wir arbeiten international, weil • wir Gespräche mit Herbert Smith führen • intensiv nach einem Fusions-Partner in der Antarktis suchen • kostensenkendes Nearshoring in Venlo betreiben • das nächste Sozientreffen in Lloret de Mar stattfindet.

Compliance ist • bei unseren mittelständischen Mandanten nicht durchsetzbar • ein Buzzword • eine Gelddruckmaschine • eine von SEC und der Bundesregierung geförderte ABM für US-Kanzleien.

Das Nachwuchsproblem, über das alle jammern, kennt unsere Kanzlei nicht. Wir bieten Associates • mit 37,5-Stunden-Woche, 386er PC und veralteter Literatur die gleichen Arbeitsbedingungen wie die Justiz • eine neue weitere Karrierezwischenstufe vor der Partnerschaft • zwei Tage Intensivkurs an der letzten US-Universität, die noch ohne Kooperationspartner war • mehr Geld als die Konkurrenz.

Das Management hat zudem eine Initiative zum Thema Diversity ins Leben gerufen: • Die Kanzlei trennt sich sukzessive von allen männlichen Partnern • stellt einen Mann als Front Desk Manager ein • trinkt als Kölner Sozietät nun auch Alt • tanzt geschlossen auf dem Samba-Wagen beim Christopher Street Day mit.

Über Geld reden wir nicht. Aber so viel sei verraten. Unsere Kanzlei ist • profitabler als der Laden in London • nicht mehr auf ­Quersubventionierung durch Partner angewiesen • noch nicht insolvent • wie in den letzten 20 Jahren umsatzmäßig um acht Prozent gewachsen.

Wir sind ehrgeizig! Mit unserer aktuellen Ranking-Position sind wir unzufrieden und sehen uns in einem Tier mit • Hengeler • Herbert Smith und King & Wood • allen anderen Freshfields-Spin-offs • sind als Boutique sowieso führend.

Gehen Sie also vor der Wahl zur Kanzlei des Jahres bitte nochmals in sich. Sonst fordern wir • die Kanzlei-Kugelschreiber • die Canapés vom Sommerfest • die Designer-Klamotten aus UK • das Beförderungsentgelt für das geteilte Taxi von den betreffenden Redakteuren zurück.

Bevor wir Ihr Werk Mitte November in den Armen halten, freuen wir uns jetzt schon auf die Riesensause in der Alten Oper und feilen an unserer Dankesrede. Am Ende des Tages haben Sie einfach die beste Marktübersicht!

Es grüßt Sie erwartungsvoll

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