CLOSING 08/12

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von Marcus Jung

Nach fünf Jahren gibt’s wieder Anwaltsjobs am Bundesgerichtshof. Bis auf den letzten Drücker fahnden die Rechtsanwaltskammern nach Bewerbern. Doch eine Gruppe ranghoher Kammermitglieder will sich diesmal nicht von ihren Präsidenten und der Justizministerin in die Suppe spucken lassen. In einer konspirativen Telefonsitzung planen Vertreter aus Hamm, Stuttgart, Frankfurt, Saarbrücken, Hamburg und Leipzig die Palastrevolution. Nur München und Köln mussten kurzfristig absagen. JUVE präsentiert den exklusiven Mitschnitt des Telefonats:

Hamm: „Super, dass es klappt. Haben wir alle in der Leitung?“
Frankfurt: „Können wir schnell machen? Ich bin auf dem Weg in ein Signing!“
Saarbrücken: „Mhh. Bin da.“ Im Hintergrund hört man das Entkorken einer Flasche.
Stuttgart: „Wollen wir nicht auf Köln und München warten?“
Hamm: „Achja, München ist raus. Sie gehen den Bayrischen Weg…“
Stuttgart: „Was hieße?“
Leipzig: „Sie finden eine parteinahe Lösung!“
Hamburg: „Womit Du Dich ja bestens auskennst.“
Leipzig: „Unverschämtheit!“
Hamm: „Keine Montagsdemo hier! Leipzig, gerade weil Ihr Eure Mitglieder nicht an der Leine halten konntet, telefonieren wir hier. Köln muss ebenfalls passen. Es gibt Ärger, die Geschäftsstelle wurde durchsucht. Ein Kammermitglied hat ein anderes angeschwärzt.“
Stuttgart: „Also wenn der Apfel schon von innen heraus fault…“
Frankfurt: „Internal investigations – I love it“
Hamburg: „Sicher, dass das nicht in Sachsen passiert ist?“
Leipzig: „Frechheit“

Hamm: „Ruhe! Kommen wir also zu Euren Kandidaten. Saarbrücken, bist Du noch da?
Saarbrücken: „Mhh.“ Glucksen in der Leitung.
Stuttgart: „Alkohol am hellichten Tag? Heiligsblechle!“
Saarbrücken: „Man nennt das Savoir Vivre. Wir können keinen Anwalt entbehren. Ist schon schwierig genug, junge Leute hierher zu bekommen.“
Hamm: „Stuttgart?“
Stuttgart: „Die Badener sind momentan schlecht auf uns zu sprechen. EnBW, wegen Stuttgart21 kommen die Züge später in Karlsruhe an, der VfB spielt zwei Klassen über dem KSC – mit gesundem Menschenverstand kann man da keinen Württemberger reinschicken.“
Hamburg: „Geht mir ähnlich. Der Rhein ist einfach kein Segelrevier.“
Hamm: „Ha, jetzt kommt mein Kandidat. 59 Jahre, hervorragender Ruf im Familienrecht und im Mietrecht. Seine Frau siedelt mit um und freut sich schon auf Wanderungen im Schwarzwald.“
Stuttgart: „Der ist es!“
Frankfurt: (euphorisch) „We have a candidate!“
Hamburg: „Hat meine Zustimmung”
Leipzig: (noch euporischer) „12 Punkte kommen aus Leipzig!”
Hamburg: „Vorsicht! Der Eurograndprix ist Eigentum des NDR!“

Hamm: „Danke für die überwältigende Zustimmung. Mit der Dichte an enttäuschten Großkanzleipartnern in Frankfurt sollte es leicht sein, die Liste vollzubekommen.“
Frankfurt: „Mach Dir keine Gedanken. Dodd Frank und Bribery machen gerade so viel kaputt. Und das Beste: Über die A5 bist du ja in 50 Minuten nach Karlsruhe gefahren.“
Stuttgart: „Naja, dann hoffe ich mal, dass uns dieser Frank noch einige Kandidaten einbringt. Wenn ich meiner Frau beim Breuninger einen Burberry-Mantel kaufe, hilft Dir das?
Frankfurt: „Hä? Lass mal. Ich leite euch einfach die Liste all unserer Mitglieder über 35 Jahren weiter, und ihr kreuzt dann wie beim Lottoschein einige Namen an. Ich muss jetzt wirklich weg!“
Stuttgart: „Halt! NICHT per Mail! Wer weiß, ob das wieder einem Ausschuss zugespielt wird.“
Hamm: „Es geht doch diesmal gar nicht um EnBW?“
Frankfurt:„Ok, ich schicke Euch einen Kurier vorbei. Der Kollege aus Leipzig kommt sicher auch so an die Listen ran. Over and out!“

Hamm: „Wunderbar, dann haben wir ein tolles Ergebnis erzielt…“
Hamburg: „Ich liebe es, wie du dieses totalitäre Vorgehen als Konsens verkaufst. Kennt man ja in Leipzig gut.“
Hamm: „…gibt es sonst noch Wortmeldungen? Wo bleibt Saarbrücken?“

Schnarchen in der Telefonleitung.

Leipzig: „ALSO IN LEIPZIG HABEN WIR NOCH GANZ FANTASTI…“
Hamm: „Upps, da hat sich die ISDN-Anlage des Leipziger Kollegen leider verabschiedet. Danke für eure Zeit. Man sieht sich in Karlsruhe.“

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