EDITORIAL 01/12

Jatzkowski_AstridDie Macht des Vorurteils

Eines vorweg: Dass Sie auf dieser Seite mit Foto und Text einer Frau konfrontiert werden, hat nichts mit unserem Titelthema zu tun. Wir wechseln uns einfach nur regelmäßig ab.

In den Kanzleien geht es da schon deutlich weniger entspannt zu. Die männlich dominierte Struktur und Kultur der meisten Sozietäten macht es Frauen schwer, sich einen der oberen Plätze in der Hackordnung zu erobern. Das wird in Anbetracht der demographischen Entwicklung, veränderter Lebensplanungen der Absolventen und der lauter werdenden Forderung der Mandanten, endlich auf Vielfalt zu setzen, zu einem echten Problem. Noch aber stecken die Kanzleimanager in einem System zwischen Quotenfrauen und Machomännern. Zwar bemühen sich viele Kanzleien redlich um Besserung, doch bislang fehlen nennenswerte Ergebnisse. Der Grund: Gegen jahrzehntelang auf allen Seiten gepflegte Vorurteile kommt, kurzfristig jedenfalls, kein noch so gutes MentorInnenprogramm an.

Mit Vorurteilen hat auch Flick Gocke Schaumburg zu kämpfen: Konservativ, unbeweglich, glücklich in der Provinz. Dass hinter den Kulissen der unumstrittenen Nummer 1 des Steuerrechts hierzulande weit mehr los ist, als das sachliche weiße Bürogebäude an einer Bonner Durchgangsstraße vermuten lässt, beleuchtet der Beitrag Spagat im Paradies. Nur am Rande sei bemerkt: Eine Equity-Partnerin hat die Kanzlei bis heute nicht.

Unternehmen sind zwar oft weiter mit ihren Bemühungen um weibliche Spitzenkräfte als Kanzleien, doch am besten scheint es doch im öffentlichen Dienst zu sein (noch so ein Vorurteil). Der Beitrag Die Akribische zeigt, wie eine Frau die Insolvenzrechtsreform geprägt hat. Marie Luise Graf-Schlicker wird wohl niemand vorwerfen wollen, sie sei „nur“ eine Quotenfrau. Es geht doch.

Eine unvoreingenommene Lektüre wünscht Ihnen Astrid Jatzkowski

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