EDITORIAL 02/12

Chancen wahrnehmen

Poppelbaum_JörnDer Wandel der Rechtsberatung geht vom Mandanten aus. Nur der hat es noch nicht gemerkt. So könnte man sehr überspitzt das Heft, das Sie in den Händen halten, zusammenfassen. Mit der möglicherweise größten Erhebung, die jemals unter Rechtsverantwortlichen in Deutschland durchgeführt wurde, haben wir den Inhouse-Juristen auf den Zahn gefühlt. Knapp 500 leitende Mitarbeiter aus den Bereichen Recht, IP und Steuern haben auf die JUVE-Inhouse-Umfrage 2012 geantwortet – und vermitteln ein realistisches Bild über den Stand der Dinge.

Klar erkennbar ist, dass Rechts­abteilungen im unternehmerischen Alltag immer wichtiger werden. Folge: Sie haben sich in den vergangenen zwei Jahren zum Teil deutlich vergrößert und erledigen so mehr inhouse. Dennoch sind gleichzeitig bei einem Großteil der Unternehmen auch die externen Kosten gestiegen – ein Ausweis dafür, dass die Masse an Rechtsberatung weiter zunimmt und Kanzleien unverzichtbar bleiben.

Jedoch begreifen nur wenige Mandanten, dass in dieser Situation für sie vor allem Chancen liegen. Sie könnten das Verhältnis zu ihren (teuren) Auftragnehmern grundlegend auf eine neue Basis stellen. Doch die Mehrheit trennt sich derzeit lieber ganz von ihren Anwälten und setzt auf günstigere Anbieter – ohne strukturell an die Sache heranzugehen.

Dabei gäbe es Möglichkeiten. Die werden auch schon genutzt. Und wir zeigen sie in unserem Heft: das Aufstellen eigener ‚Legal Networks‘ (Interview mit Mari Sako), das effiziente Verteilen von Ressourcen auf interne Abteilungen, Kanzleien und Dienstleister (Die Standardsetzer) oder das Überprüfen von Anwaltsrechnungen durch Profis (Ungeliebte Zahlenspiele).

Und das vielleicht größte Tabu für die meisten Juristen in Rechtsabteilungen und Kanzleien beleuchten wir ebenfalls: die Einkaufsabteilung (Gemeinsam stark). Ihr Einfluss steigt, ihre Methoden werden sich durchsetzen – ob es die Juristen wollen oder nicht.

Wir hoffen, das Heft bringt Ihnen ähnlich viele neue Erkenntnisse wie uns. Auf Ihre Rückmeldungen freuen wir uns!

Ihr Jörn Poppelbaum (joern.poppelbaum@juve.de)

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