EDITORIAL 04/12

Poppelbaum_JörnEnergisch streiten

Ein Jahr nach Fukushima ist die Energiewende in vollem Gang – sollte man meinen. Tatsächlich scheint das Mammutprojekt die Verantwortlichen in Politik, Verwaltung und Unternehmen aber zu überfordern. Neben den politisch- ideologischen Grabenkämpfen, die noch lange nicht überwunden sind, und der Frage der Versorgungssicherheit bestehen auch massive rechtliche Unsicherheiten. Folge: Investoren werden abgeschreckt, doch ohne sie lässt sich der Umbau nicht finanzieren (Wackelige Wende).

Für Anwälte sind Umbruchsituationen gleichzeitig ein Beschäftigungsprogramm. Neuen Gesetzen folgen neue Möglichkeiten und neue Verträge – und sicher auch bald neuer Streit. Viele Hamburger Anwälte, die sich auf die Beratung zu erneuerbaren Energien spezialisiert haben, können davon ein (Freuden-)Lied singen. (Neues Kraft-Zentrum)

Dass sich Friedrich Merz noch vor größerem Publikum zur Energiewende äußern wird, ist dagegen zurzeit eher unwahrscheinlich. Im JUVE-Interview macht der ehemalige CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende und frühere wirtschaftliche Vordenker der Union deutlich, dass er seine Zukunft nicht als Politiker in Berlin, sondern als Anwalt bei Mayer Brown in Düsseldorf sieht – abseits der politischen Öffentlichkeit.

Vor der öffentlichen Meinung sind jedoch auch Anwälte nicht immer sicher: Gerade bei Streitigkeiten um Milliarden spielen sie eine immer wichtigere Rolle – ob als Streitschlichter oder als Scharfmacher. Alles ist denkbar. Wie das aussehen kann, ist bei zwei Großkomlexen zu beobachten: Nach dem gescheiterten Vergleich zwischen der Deutschen Bank und den Leo Kirch-Nachkommen befinden sich auch die beteiligten Anwälte Am Schweideweg. Bei der Aufarbeitung der Vorgänge um die ins Schlingern geratene Privatbank Sal. Oppenheim ist mittlerweile die halbe Anwaltsrepublik involviert (Die Abrechnung).

Viel Spaß bei der Lektüre wünscht

Jörn Poppelbaum

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