EDITORIAL 06/12

Albert_ChristineDes einen Leid…

Es ist ein Jammer. Das Ende von Dewey & LeBoeuf ist zurzeit das Thema im Markt. Erschreckend für viele ist vor allem die Geschwindigkeit, mit der das einstmalige US-Powerhouse auseinander fällt. Auch die deutschen Partner haben nun ihr Schicksal in die Hand genommen und werden in alle Himmelsrichtungen verstreut. In einer solchen Situation denkt man wohl vor allem an sich selbst. „Ich will hier nicht der letzte sein“, sagt ein Frankfurter Partner in Endzeitstimmung.

Andere Kanzleien dagegen profitieren regelrecht von Deweys Niedergang: Simmons & Simmons, McDermott Will & Emery, SJ Berwin oder Jones Day zum Beispiel können ihre deutschen Praxen mit anerkannten Teams aufpeppen. Nicht zum Zuge kamen dagegen englische Sozietäten, die schon seit einiger Zeit wild entschlossen sind, den hiesigen Markt zu erschließen. Namen wie Wragges, Pinsent oder Herbert Smith wollen nach der Auflösung ihrer deutschen Kooperationen den Sprung über den Kanal wagen, vor allem weil ihnen der heimische Markt langsam zu eng wird. (Über den Kanal)

Ganz anders ticken dagegen die Uhren in der Welt der Justiz. Spezialisierte Gerichtsstandorte sind für komplexe marken- und wettbewerbsrechtliche Verfahren unabdingbar. Doch anstatt ihren Ausbau voranzutreiben, ist die Politik derzeit dabei, den einschlägigen Wettbewerbskammern einen Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Ein Gesetzentwurf will den fliegenden Gerichtsstand abschaffen, klagende Unternehmen sollen demnach an den Standort des Beklagten gebunden sein. Doch Gerichte abseits der IP-Hochburgen sind nicht erfahren genug, um die notwendige Qualität zu sichern. Im Grünen Wettbewerb können sich nur Gerichte behaupten, die die Spezialisierung im IP aktiv unterstützen.

Eine freudvolle Lektüre wünscht Ihnen

Ihre Christine Albert

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