EDITORIAL 07/12

Poppelbaum_JörnFragiles Gefüge

Kanzleien sind eben doch keine ganz normalen Wirtschaftsunternehmen. Diese Einsicht dürften derzeit viele ambitionierte Kanzleimanager haben, die ihre Sozietäten zu weltweiten Beratungshäusern trimmen wollen. Sie alle haben ein abschreckendes Beispiel vor Augen: Dewey & LeBoeuf.

Die Kanzlei ist an zu hoch gesteckten Zielen gescheitert, die sie mit einer Expansionsstrategie auf Pump erreichen wollte. Ihre finanziellen Verpflichtungen brachen ihr letztlich das Genick. Die Partner zerstreuten sich in alle Winde. Sicher sein, dass der Ärger damit ein Ende hat, können sie jedoch nicht. Viele müssen unter Umständen auch noch bereits erhaltene Vergütungen zurückzahlen (Abgebrannt).

Dass Dewey in dem ein oder anderen Punkt kein Einzelfall ist, zeigt aber auch Orrick Hölters & Elsing. Hinter der Glänzenden Fassade läuft vier Jahre nach der Fusion das Zusammenwachsen der Praxisgruppen nur holprig und lässt – auch in Bezug auf Garantiezahlungen für Partner – einige Fragen offen.

Ganz anders der Schweizer Rechtsmarkt. In ihrem Streben nach Stabilität und (gesunder) konservativer Kanzleiführung sind die dortigen Akteure wohl kaum zu überbieten. So entsteht ein Eidgenössisches Unikum.

Dass es den dortigen Kanzleien bestens geht, liegt natürlich auch am Umfeld. Die Schweiz beherbergt viele internationale Konzerne. Hinzu kommen Schweizer Giganten wie Novartis. Der Rechtsabteilung des Pharmakonzerns widmet sich der zweite Beitrag in unserem kleinen Schweiz-Schwerpunkt (Im Machtzentrum).

Eine erhellende Lektüre wünscht

Jörn Poppelbaum

In eigener Sache:
Auch in diesem Jahr läuft sie wieder: Unsere Associate-Umfrage. Teilnehmen können – und sollten – Juristen vom Berufsstart bis zum 10. Berufsjahr. Ihre Erfahrungen sind wichtig, damit die azur-Redaktion die Qualität der Ausbildung und Personalentwicklung in Kanzleien und Unternehmen gewohnt verlässlich beurteilen kann.

Dass die Qualität unserer Arbeit Jahr für Jahr anerkannt wird, freut uns selbst übrigens auch. Vor wenigen Tagen belegte JUVE-Redakteurin Anja Hall für ihre Analyse der Folgen der EnBW-Beratung durch Gleiss Lutz den dritten Platz bei der Vergabe des Karl-Theodor-Vogel-Preises der Deutschen Fachpresse.

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