EDITORIAL 11/12

Neue Zeiten, neue Sitten

Albert_Christine

Christine Albert

Kommt es Ihnen auch so vor? Früher war irgendwie alles besser und schöner. Das Leben ohne E-Mail und Smartphone herrlich unkompliziert. Wer nun eifrig mit dem Kopf nickt, gehört leider zu einer aussterbenden Spezies. Das ist die schlechte Nachricht. Die gute ist: Eine Riege innovativer Juristen und Geschäftsleute setzt derzeit der wachsenden Komplexität eine Kreativität entgegen, die ihresgleichen sucht und die Branche überrascht.

Ein Beispiel ist der Private-Equity-Markt. Beim Verkauf des Shopping-Senders HSE24 an den Finanzinvestor Providence stellte ein Team von Willkie Farr & Gallagher und des Verkäufers Axa Private Equity einfach mal die gesamte gängige Transaktionsstruktur auf den Kopf. Das führte dazu, dass der Deal in der sonst so gesprächigen Private-Equity-Szene erst bei der Kartellanmeldung bekannt wurde. Nachdem nun langsam die Einzelheiten der Transaktionsstruktur durchgesickert sind, ziehen Private-Equity-Anwälte den Hut. Das Frisch verpackte Angebot hat das Potenzial zu einem Modell für die gesamte Branche.

Ein Zurück-in-alte-Zeiten gibt es auch nicht mehr, wenn es um Korruptionsfälle in Unternehmen geht. Wurden diese früher möglichst unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit behandelt, kann es sich heute in Deutschland kein Konzern leisten, im Falle eines Falles auf umfassende interne Untersuchungen zu verzichten. Die Kosten für diese juristische Aufarbeitung schießen dabei oft ins Kraut. Kaum bekannt ist jedoch, dass es seit Kurzem zwei Versicherer gibt, die Unternehmen eine Absicherung gegen ein solch Kalkuliertes Risiko anbieten. Und auch wenn die innovativen Produkte noch in ihrer Anfangsphase stecken, beweisen sie doch: Nur wer sich bewegt, bleibt auch am Ball.

Eine Lektüre mit vielen Aha-Effekten wünscht Ihnen

Christine Albert

  • Teilen