DEAL DES MONATS 01/13

Durchbruch gelungen

Kümmerlein begleitet E-Plus beim Verkauf von Mobilfunk-Masten

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Joachim Gores

Es war Anfang 2012, als sich E-Plus ein ambitioniertes Projekt vornahm. Als allererstes deutsches Unternehmen wollte der Telekom-Anbieter Mobilfunktürme veräußern. Käufer wurde am Ende der US-amerikanische Kommunikationsanlagen-Betreiber American ­Tower, dem damit der Markteintritt in ­Europa gelang. Dafür zahlte er einen Preis von fast 400 Millionen Euro. American Tower vertraute bei dieser Trans­aktion der internationalen Großkanzlei Clifford Chance, der es einmal mehr gelang, Mandatsbeziehungen aus den USA nach Europa zu übertragen und ihre infrastrukturrechtliche Erfahrung unter Beweis zu stellen.

Da sich aufgrund des Modellcharakters insbesondere ausländische Investoren anboten, veranstaltete E-Plus ein kompliziertes, internationales Bieterverfahren. Neben dem Modellcharakter und dem Transaktionsvolumen stellte auch die Struktur des Deals die Anwälte und Inhouse-Juristen vor besondere Herausforderungen. Die Rechtsabteilung brauchte externe Unterstützung. Ihre Wahl fiel dabei auf die traditionsreiche Ruhrkanzlei Kümmerlein, auf die einige internationale Kanzleien sicherlich in diesem Moment neidisch geblickt haben dürften. (mehr zu den Beratern)

Die rund 50-köpfige Essener Kanzlei gehört im Ruhrgebiet zu den angesehensten Sozietäten. Jenseits der Grenzen der Region dürfte sie allerdings nicht jeder kennen – trotz ihres hochkarätigen Geschäfts. Dass Kümmerlein große Deals mühelos stemmen kann und den Vergleich mit Großkanzleien nicht scheuen braucht, hatte sie erst im letzten Jahr bewiesen. Damals zogen die ansonsten recht verschwiegenen Essener schon einmal bundesweite Aufmerksamkeit auf sich, als sie die RAG zum Verkauf der Bottroper Kokerei Prosper berieten.

Erprobt im Kleinen

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Christoph Witte

E-Plus allerdings weiß schon länger, was die Sozietät leisten kann. Die Mandatsbeziehung zwischen Kümmerlein und dem Mobilfunkunternehmen reicht einige Jahre in die Vergangenheit zurück. Vor allem der Corporate-Partner Dr. Joachim Gores kennt das Mobilfunkunternehmen mittlerweile wie seine Westentasche. Regelmäßig stand er E-Plus bei kleineren Transaktionen, aber auch bei größeren Projekten zur Seite wie bei der Auslagerung des Netzbetriebs an Alcatel-Lucent 2007.

Der Verkauf der Mobilfunktürme sollte allerdings der größte Deal werden, den Kümmerlein für E-Plus bislang begleitet hat. Den Essenern gelang es somit, ihre Mandatsbeziehung mit einem nicht alltäglichen Projekt zu vertiefen. Da ein Teil der Mobilfunkmasten im Eigentum von E-Plus verbleibt, galt es, die Türme für American Tower rechtlich sauber aus dem Gesamtportfolio herauszulösen. Die Vermögensbestandteile wurden schließlich in zwei Gesellschaften ausgegliedert. Diese konnte E-Plus dann zum Verkauf anbieten. Die Komplexität der Transaktion erhöhte sich nicht zuletzt dadurch, dass die auf den Funkmasten montierten Sendeanlagen ebenfalls im Eigentum von E-Plus verbleiben sollten. Gleichzeitig schloss E-Plus mit den US-Amerikanern einen langfristigen Mietvertrag.

Starke Inhouse-Seite

Zuvor hatte eine interne Organisation bei E-Plus aus einer Hand den Betrieb der Türme und der Dachstationen gemanagt. Da es deswegen enorme organisatorische und operative Herausforderungen zu bewältigen gab, spielte die Rechtsabteilung um Leiter Peter Kettenring neben Kümmerlein eine starke Rolle bei der Transaktion. Die Leistung der Inhouse-Juristen ist umso beachtlicher, als sie parallel den unter regulatorischen Gesichtspunkten anspruchsvollen Kauf der Gesellschaften Inquam und Clearwire abwickelten. Auch hier stand ihnen die Kümmerlein-Corporateexperten zur Seite.

Das Corporate-Team hat Kümmerlein erst kürzlich um zwei junge Quereinsteiger erweitert, deren Erfahrung ihr in dem internationalen Bieterverfahren zugute kam: Neben dem langjährigen Partner Gores fielen die Nachwuchstalente Dr. Stefan Heutz und Sebastian Heidtkamp auf. Die Strategie der Ruhrsozietät, erfahrene Associates von Kanzleien wie Hengeler Mueller und Fresh­fields Bruckhaus Deringer zu integrieren, erweist sich somit als goldrichtig. Es zeigt auch, dass sie den Generationswechsel reibungslos bewältigt – was sie von regionalen Wettbewerbern abhebt.

Das M&A-Trio war über mehrere Monate mit der Turm-Transaktion fast vollständig ausgelastet. Dank der Personalstärke der Corporate-Praxis konnte Kümmerlein in der besonders stressigen Schlussphase des Deals flexibel reagieren: Sie hat das Team kurzerhand nochmal um zwei erfahrene Partner aufgestockt. Am Ende der Transaktion saßen die Essener sieben ­Tage die Woche im Büro. Der hohe Einsatz lohnte sich: Ihnen gelang ein pünktlicher, auf den Tag genauer Abschluss. (si)

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