DEAL DES MONATS 04/13

Von der Schippe gesprungen

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Thomas Gies

Als die Financial Times Deutschland (FTD) am 7. Dezember mit einem schwarzen Titelblatt zu Grabe getragen wird, steckt auch eine weitere Zeitung tief in der Misere: die Frankfurter Rundschau (FR). Mitte November hatte das Druck- und Verlagshaus Frankfurt a. M. einen Insolvenzantrag gestellt. Doch die FR sollte, anders als die FTD, überleben.

Insolvenzverwalter Frank Schmitt von Schultze & Braun musste schnell einen Investor finden. Etwas mehr als drei Monate später, es ist der 27. Februar, 0.30 Uhr, wird ein Kaufvertrag unterschrieben. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH löst gemeinsam mit der Frankfurter Societät GmbH das Medienhaus M. DuMont Schauberg und die DDVG als Eigentümer ab. Nur zwölf Stunden später wäre der FR die Luft finanziell ganz weggeblieben.

Für die Reanimierung der FR hatte sich die FAZ zwar als erste Retterin angeboten. Es gab allerdings schnell Konkurrenz. Ebenfalls interessiert waren die türkische Verlagsgruppe Estetik Yayincilik und die Südwestdeutsche Medienholding, Muttergesellschaft des Süddeutschen Verlags.

Der Druck auf die FAZ-Anwälte war spürbar erhöht worden. Auch weil der langjährige FAZ-Jusitziar Dr. Oliver Stegmann zum Jahreswechsel das Unternehmen verlassen hat, war die Rolle der externen Berater besonders wichtig. Für Stegmanns Nachfolger Dr. Simon Haug ist es der erste Job nach der Uni. So liefen Beteiligten zufolge die Fäden vor allem bei Hans Homrighausen zusammen, Geschäftsführer der Societät. Er hatte das Beratertrio auch zusammengestellt.

Eine ungewöhnliche Wahl, so scheint es auf den ersten Blick. Während Hengeler im Kartellrecht und Gleiss im Arbeitsrecht die FAZ-Gesellschafter schon seit mehreren Jahren offen beraten, gilt die Mandatierung von Thomas Gies für die Verhandlungen des Kaufvertrags als überraschend.

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Alf-Henrik Bischke

„Man hat ihn sicherlich gewählt, weil er in Insolvenzverfahren im Frankfurt Raum einen guten Ruf hat“, sagt Hengeler-Partner Dr. Alf-Henrik Bischke. Gleiss-Arbeitsrechts- Partner Prof. Dr. Ulrich Baeck lobt Gies als „kooperativ und sehr erfahren“. Sie kannten ihn vorher nicht, doch beide sind sich einig: Er ist eine gute Wahl. Die FAZ-Gruppe wusste um Gies‘ Expertise bereits aus früheren Mandaten.

Die Lage ist zeitkritisch. Die Verkaufsverhandlung, das Kartell- sowie das Arbeitsrecht sind jeweils von derartiger Brisanz, dass eine negative Entwicklung in einem einzelnen Bereich bereits das Aus bedeutet hätte. Eine reibungslose Zusammenarbeit ist existenziell. „Die Stränge liefen parallel“, berichtet Bischke. „Jeder hat in seinem Bereich hochkonzentriert gearbeitet.“

Die Kartellrechtler mussten das Bundeskartellamt davon überzeugen, dass die Voraussetzungen für eine Sanierungsfusion vorliegen. Dazu traf man sich in informeller Runde bereits Anfang Januar mit der Vorsitzenden der 6. Beschlussabteilung, die für die Medienbranche zuständig ist. Neben dem Insolvenzverwalter, der Geschäftsführung von FR und FAZ waren auch Hengeler und Gies mit von der Partie.

Aus arbeitsrechtlicher Sicht galt es, ein Erwerberkonzept vorzulegen, dem der Betriebsrat zustimmt. Sechs Tage dauerte die Einigungsstelle, in der die Konzepte des türkischen Bieters und der FAZ verhandelt wurden. „Das war so etwa die längste Einigungsstelle, die ich je erlebt habe“, berichtet Joachim Zobel, Arbeitsrechts-Partner bei Schultze & Braun.

Als das Bundeskartellamt der FAZ grünes Licht gab, war alles für die Verhandlung des Kaufvertrags vorbereitet. Dem Todeskandidaten wurde neues Leben eingehaucht. (geo)

Die vollständige Beraterliste finden Sie hier….

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