DEAL DES MONATS 05/13

Déjà-vu in München

Patrizia kommt mit Allen & Overy bei GBW-Immobilien zum Zug

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Thomas Müller

Wer in diesen Tagen eine 2,45-Milliarden-Euro-Transaktion abschließt, ist in aller Regel stolz darauf und zeigt es auch. Doch als die BayernLB ihre Wohnimmobilientochter GBW an ein Konsortium um das Augsburger Unternehmen Patrizia verkauft hat, ist die Stimmung unter den Beteiligten zurückhaltend, auch bei den Anwälten.

Die politische Dimension dürfte auch für erfahrene Kanzleien wie Hengeler Mueller und Allen & Overy nicht alltäglich gewesen sein. Bis jetzt gibt es Streit daüber, ob es beihilferechtskonform gewesen wäre, wenn der Freistaat selbst die Wohnungen direkt übernommen hätte. Zu den verkauften 32.000 GBW-Immobilien gehören schließlich auch Sozialwohnungen, zudem findet die Transaktion nur einige Monate vor den Landtagswahlen statt.

Stolz dürfen die Anwälte von Hengeler, Allen & Overy und auch Linklaters aber allemal sein. Schließlich standen sie sich in dieser Konstellation innerhalb eines Jahres gleich zweimal in einer Milliarden- Transaktion gegenüber. Als im Frühjahr 2012 die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) ein Wohnimmobilienportfolios für 1,4 Milliarden Euro an ein Konsortium um Patrizia verkaufte, waren alle drei Kanzleien involviert.

Die baden-württembergische und bayerische Landesbank vertrauten bei den Transaktionen jeweils auf ein Team um Thomas Müller von Hengeler. Patrizia wählte beide Mal Dr. Michael Bernhardt von Allen & Overy zum federführenden Partner. Linklaters war jeweils auf Investorenseite tätig. Sogar die Gründe waren in Stuttgart die gleichen wie in München: Beide Landesbanken mussten ihre Immobiliengesellschaften auf Geheiß der EU verkaufen – im Gegenzug zu den Staatshilfen, die sie erhalten hatten.

Doch auch wenn die Beraterkonstellationen auf den ersten Blick identisch anmuten, ganz so einfach war es dann doch nicht: Denn dass Allen & Overy wieder bei Patrizia zum Zug kommen konnte, war zunächst nicht selbstverständlich. Obweohl sich Bernhardts Team beim Kauf des LBBW-Portfolios schon bewährt hatte, musste es sich laut Marktinformationen im Pitch noch einmal durchsetzen. Für den Allen & Overy-Partner bedeutete dies einen doppelten Erfolg. Nach seinem Wechsel von Willkie Farr & Gallagher im Juni 2011 zeigte bereits die LBBW-Transaktion, dass er ein Gewinn für Allen & Overy ist. Die BayernLB-Transaktion untermauert, dass das nicht nur ein einzelner Glücksfall war.

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Dr. Michael Bernhardt

Linklaters kann sich ebenfalls über einen besonderen Erfolg freuen. In München stimmten sich laut Marktinformationen die meisten Investoren, die sich extern beraten lassen wollten, ausschließlich auf Linklaters ein. Das Team um Partner Wollenhaupt betreute demnach gleich 23 von insgesamt 27 Investoren. Bei der LBBW-Transaktion hatte die Kanzlei nur einen Mandanten. Konkurrierende Kanzleien hatten die Investoren unter sich aufgeteilt. Die Lösung in München dürfte für die internen Verhandlungen deutlich vorteilhafter gewesen sein.

Hengeler hatte sich in beiden Transaktionen einen beneidbaren Platz an der Seite der Verkäufer gesichert. Um ein Rechtsgebiet sollte sie sich aber dieses Mal nicht kümmern. Im Gegensatz zur LBBW überließ die BayernLB ihr nicht das Beihilferecht, sondern vertraute es Freshfields Bruckhaus Deringer an. Zu stark scheint das Band zwischen der BayernLB und Freshfields im Beihilferecht zu sein. Schließlich hatte Freshfields die BayernLB erst im Sommer 2012 erfolgreich durch ein EU-Beihilfeverfahren geführt. Eine Auflage war unter anderem, dass sie sich von der GBW trennt. (pke)

Die vollständige Beraterliste finden Sie hier…

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