DEAL DES MONATS 06/13

Kurz und schmerzlos

CVC holt sich mit Hengeler die Mehrheit an Ista zurück

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Hans-Jörg Ziegenhain

Hans-Jörg Ziegenhain hatte eine klare Anweisung von seiner Mandantin erhalten: „Die Transaktion sollte zügig und geräuschlos abgeschlossen werden“, erzählt er. Zehn Tage ließ CVC Capital dann dem Hengeler Mueller-Partner, um den Kauf des Essener Energiedienstleisters Ista Deutschland in trockene Tücher zu bringen. Genug Zeit für Ziegenhain, aber bei Weitem zu wenig Zeit, als dass der Plan von CVC hätte durchsickern können.

CVC wollte in der Transaktion eigentlich einer der beiden Verkäufer sein und davon ging die breite Öffentlichkeit auch bis zum überraschenden Schluss aus. Ziegenhain äußert sich nicht zum plötz­lichen Sinneswandel seiner Mandantin. Es ist aber wohl davon auszugehen, dass die Angebote nicht so ganz dem entsprachen, was sich die beiden Anteilseigner vorgestellt hatten.

Charterhouse hatte erst im Sommer 2007 die Mehrheit an Ista von CVC übernommen. CVC blieb Minderheitseigner. Beide gemeinsam wollten nun eigentlich den Exit. Medienberichten zufolge waren die Finanzinvestoren Axa Private Equity, Wendel aus Frankreich, BC Partners sowie der kanadische Lehrerpensionsfonds OTP als potenzielle Käufer im Gespräch. Aber genauso stand auch ein Börsengang zur Debatte.

Als diese Szenarien noch zur Diskussion standen, beriet Freshfields Bruckhaus Deringer CVC und Charterhouse gemeinsam. Für Freshfields hätte es durchaus logische Alternativen gegeben. Die offensichtlichste wäre Allen & Overy gewesen, die Charterhouse 2007 beim Kauf von ­Ista zur Seite stand, das Asset also bestens kannte.

Freshfields kannte das Asset allerdings auch sehr gut, da sie CVC damals beim Verkauf der Anteile an Charterhouse beraten hatte. Dadurch kannte sie die Verkäuferperspektive, zudem unterhält Freshfields neben CVC auch solide Verbindungen zu Charterhouse. Sie beriet das britische Private-Equity-Haus beispielsweise 2012 beim Erwerb von Bartec.

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Oliver von Rosenberg

Hengeler kam erst ins Mandat, nachdem CVC und Charterhouse einen gemeinsamen Verkauf aufgegeben hatten. CVC konnte jetzt schlecht Freshfields nehmen. Clifford Chance wäre eine naheliegende Option gewesen, hatte die Kanzlei doch immer wieder an der Seite des Investors gestanden. Dieser entschied sich anders, was bei genauerem Hinsehen nicht so ganz überraschend war: Ganz fremd ­waren sich nämlich auch Hengeler und CVC nicht.

„CVC und ich kannten uns aus mehreren Transaktionen von unterschiedlichen Seiten des Tisches“, sagt Ziegenhain. Man war sich zum Beispiel auch als geschäftliche Gegner schon begegnet. Als CVC das Rennen um den Einstieg bei Evonik und WMF machte, stand Hengeler jeweils an der Seite der Mitbieterin KKR. Und das ist noch immer nicht alles: Es gab auch bereits Anläufe, gemeinsam mit CVC Transaktionen abzuwickeln – die jedoch nie zu einem erfolgreichen Abschluss gekommen sind.

Am Ende des Tages lieferten CVC und der britische Verkäufer Charterhouse nun den bislang größten Private-Equity-Deal des Jahres ab. Das Transaktionsvolumen lag bei 3,1 Milliarden Euro. Das Ista-­Management bleibt am Unternehmen beteiligt. CVC holt sich mit Ista ein Unternehmen zurück, dass zwar eher langweilig wirkt, aber Potenzial hat. Vier Millionen Wohneinheiten betreut der Energiedienstleister, der 2011 einen Umsatz von gut 670 Millionen Euro erwirtschaftete. Energiemanagement ist zudem ein Thema mit Zukunft.

Aber irgendwie scheint der Hauruck-Kauf CVC und Ista doch ein bisschen peinlich zu sein: In der offiziellen Pressemitteilung der beiden Unternehmen gibt es keinen direkten Hinweise darauf, dass CVC schon einmal die Mehrheit an dem Unternehmen gehalten hat. Die Mitteilung hielten sie ähnlich wie die Transaktion eher kurz und schmerzlos. (jat)

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