DEAL DES MONATS 07/13

Endlich unter der Haube

Baker & McKenzie begleitet Mahle bei Zusammenschluss mit Behr

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Dr. Udo Henkel (Baker & McKenzie)

Etwa eine Viertelstunde Fahrt liegt zwischen dem Stammsitz von Mahle in Stuttgart-Bad Cannstatt und dem von Behr im Vorort Feuerbach. Doch als der Automobilzulieferer Mahle den Nachbarn Behr übernehmen wollte, dauerte es Jahre, bis alle rechtlichen Hindernisse überwunden waren. Geholfen haben dabei unter anderem Kanzleien aus der direkten Umgebung wie Gleiss Lutz, Binz & Partner und Menold Bezler.

Doch der Reihe nach: Starke Umsatzschwankungen gehören in der Autozulieferbranche zum Geschäft. Behr allerdings machte 2009 so hohe Verluste, dass der ohnehin geringe Eigenkapitalanteil rasant dahinschmolz. Dabei ist das Unternehmen alles andere als unbedeutend. Es beschäftigt 17.000 Mitarbeiter und kam zuletzt auf 3,7 Milliarden Euro Umsatz. In dieser Situation kam Mahle zur Hilfe. Zunächst legten die beiden Unternehmen die Bereiche zusammen, die am wenigsten unter den Absatzschwierigkeiten im Pkw- Markt zu leiden hatten. 2010 übernahm die Mahle-Industrietochter 60 Prozent von Behr Industry.

Mahle setzte dabei auf Baker & McKenzie – eine Verbindung, die international schon seit etlichen Jahren besteht. In Deutschland kam Baker erstmals 2007 für Mahle zum Einsatz, als es um den Kauf einer Sparte der amerikanischen Dana Corporation ging. Den Behr Industry-Deal begleitete der Münchner Baker-Partner Dr. Udo Henkel federführend, Behr setzte auf Gleiss.

Gleichzeitig näherten sich auch die Konzernmütter an. Per Kapitalerhöhung beteiligte sich Mahle mit insgesamt 36,7 Prozent an Behr. Erklärtes Ziel war von Anfang an die Mehrheitsübernahme. Behr gehörte zum Großteil der Gründerfamilie, knapp ein Drittel der Anteile hielt die baden-württembergische Beteiligungsgesellschaft BWK. Die Parteien waren sich bald einig, der Zusammenschluss wurde für den Jahreswechsel 2012/13 geplant. Während sich Mahle weiter von Baker- Partner Henkel begleiten ließ, mussten die Verkäufer ihre Berater wechseln. Denn Gleiss war nicht nur Behrs Hauskanzlei, sondern auch die regelmäßige kartellrechtliche Beraterin von Mahle – eine Rolle, die sie nun an der Seite von Baker übernahm.

Die Eignerfamilie Behr hatte sich bis dahin stets auf dieselben Juristen verlassen wie das Unternehmen selbst und musste sich nun eine neue Beraterin suchen. Die Wahl fiel auf eine Kanzlei, die ebenfalls tief im südwestdeutschen Mittelstand verwurzelt ist: Binz & Partner. BWK arbeitet hingegen regelmäßig mit verschiedenen Kanzleien zusammen, darunter Freshfields Bruckhaus Deringer und Menold Bezler, die dieses Mal zum Einsatz kamen.

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Dr. Oliver Schmidt (Menold Bezler)

Ein halbes Jahr vor der geplanten Mehrheitsübernahme erschienen allerdings die Kartellbehörden auf dem Plan – nicht, weil Mahle und Behr direkte Wettbewerber wären, die Produktpaletten ergänzen sich. Doch schon seit einiger Zeit ermitteln die EU-Kommission und US-amerikanische Justizbehörden gegen Zulieferer wegen möglicher Preisabsprachen. Im August 2012 gab es Razzien bei Herstellern von Kabelbäumen, auch Kühltechnikproduzenten hatten die Behörden im Visier – darunter Behr.

Mahle ließ den Hochzeitstermin platzen, gab die Übernahmeabsicht aber nicht auf. Andere Kandidaten hätten dabei ein Schlupfloch zu nutzen versucht, das ein Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2012 aufgezeigt hatte: Um die kartellrechtliche Haftung für einen der zusammengeschlossenen Teile zu übernehmen, muss ein fusioniertes Unternehmen annähernd dasselbe Vermögen haben. Wer eine Fusion gesellschaftsrechtlich entsprechend strukturiert, kann dadurch auch die Haftung abstreifen.

Mahle und Behr dagegen agierten konservativ und verzichteten auf derlei Tricks. Stattdessen erklärte Mahle die kartellrechtlichen Risiken nach intensiver Prüfung für kalkulierbar. Wie aber genau die kartellrechtliche Prüfung erfolgte, wollte keiner der Beteiligten verraten. Damit wird es wohl zum ersten Familiengeheimnis von Mahle und Behr. (NP)

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