DEAL DES MONATS 11/13

Durch die Hintertür

Fresenius verwirklicht Rhön-Kauf mit Hengeler und Inhouse-Hilfe

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Caroline Tetzel (Helios Kliniken GmbH)

Es sollte ein Megadeal werden, der den größten privaten Klinikbetreiber Europas entstehen lassen sollte. Im Frühjahr 2012 bot der Gesundheitskonzern Fresenius mithilfe von Hengeler Mueller 3,1 Milliarden Euro für die Übernahme des Klinikbetreibers Rhön. Doch der Traum von Fresenius und Rhön-Gründer Eugen Münch, das Unternehmen mit der Fresenius-Tochter Helios zusammenzuführen, zerplatzte. Die Konkurrenten Asklepios und B.Braun fürchteten einen übermächtigen Konkurrenten und kauften sich mit zehn Prozent bei Rhön ein. Das reichte aus um den Deal zu torpedieren, denn bei Rhön besteht eine 90-Prozent- Hürde für wichtige Beschlüsse.

Ab diesem Zeitpunkt waren kreative Ideen gefragt. Im Herbst 2012 zogen die Fresenius-Vorstände einen neuen Plan aus der Schublade. Es sollte ein Deal durch die Hintertür werden. Statt des kompletten Rhön-Konzerns wollte Fresenius nun den wesentlichen Teil der Kliniken von Rhön kaufen. Für Hengeler-Partner Dr. Rainer Krause und sein Team ging der Deal wieder weiter. Sie waren für strategischen Fragen zuständig und sollten auch prüfen, ob der neue Plan ohne die Zustimmung der Hauptversammlung möglich ist.

In dieser Frage gab Hengeler-Partner Krause grünes Licht, ebenso wie Prof. Dr. Mathias Habersack, den Rhön hinzugezogen hatte, um diese Frage zu prüfen. Speziell setzten sich Krause und Habersack mit der sogenannten Holzmüller-Entscheidung des Bundesgerichtshofs von 1982 auseinander. Die Kernaussage des Urteils: Bestimmte Maßnahmen des Vorstands greifen so tief in die Aktionärsrechte ein, dass dieser sie ohne Zustimmung der Hauptversammlung nicht umsetzen darf – obgleich dies nicht im Aktiengesetz geschrieben steht. Dies sorgte in der Folge für große Verunsicherung, insbesondere darüber, ob auch für Beteiligungsverkäufe die Zustimmung der Hauptversammlung erforderlich ist. In den sogenannten Gelatine- Urteilen hatte der Bundesgerichtshof den Gestaltungsspielraum des Vorstands gestärkt, wenn auch nicht alle Zweifel beseitigt.

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Dr. Rainer Krause (Hengeler Mueller)

Auch bei Fresenius blieb offenbar ein Restfunke an Unsicherheit, denn der Vorstand holte zusätzlich die Meinung zweier weiterer hoch angesehener Experten ein. Schließlich kamen der Freshfields-Partner Dr. Thomas Bücker und Linklaters-Partner Dr. Ralph Wollburg zum gleichen Ergebnis wie Krause und Habersack. Damit konnte der eigentliche Deal beginnen, die operative Umsetzung. Jetzt schlug die Stunde der Rechtsabteilung von Fresenius-Tochter Helios und der Rhön-Beraterin Latham & Watkins. Sie saßen am Verhandlungstisch, um den Deal über die Bühne zu bringen und auch die Zukunft von dem Unternehmensteil zu gestalten, der nach dem Deal von Rhön übrig bleibt.

Die Leistung der Inhouse-Juristen von Helios ist äußerst ungewöhnlich. Im Kliniksektor gibt es keinen anderen Wettbewerber, der seine Transaktionen rechtlich derart stark intern steuert. An rund einem Dutzend Deals arbeitete der Klinikbetreiber dabei in den vergangenen drei Jahren. Dass und vor allem wie souverän Helios nun auch einen Deal von diesem Kaliber maßgeblich steuerte, bringt den Inhouse- Juristen viel Lob im Markt ein. Denn verantwortlich für die M&A-Projekte sind gerade einmal drei Köpfe, der CEO und Jurist Francesco de Meo, die Rechtschefin Carolin Tetzel und Inhouse-Jurist Dirk Schneider.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Fresenius zahlt drei Milliarden Euro für 43 Kliniken und 15 Versorgungszentren, Helios steigt vor den Augen von Asklepios und B. Braun zum größten Klinikbetreiber in Europa auf – sofern das Bundeskartellamt den Deal ebenfalls absegnet. (RB)

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