DEAL DES MONATS 8/13

Der Überraschungscoup

Hengeler-Mandantin EQT veräußert Springer Science in letzter Minute

Hans-Jörg Ziegenhain

Dr. Hans-Jörg Ziegenhain (Hengeler Mueller)

Der Weg an die Börse stand für den Wissenschaftsverlag Springer Science + Business Media eigentlich schon fest. Alles war ausverhandelt, sogar der Konsortialvertrag. Doch eine halbe Stunde später unterschreiben die Eigentümer EQT und GIC dann doch einen Verkaufsvertrag. Der Börsengang wird wenige Wochen vor dem Startschuss abgesagt, das britische Private-Equity-Haus BC Partners stattdessen als neuer Mehrheitseigner präsentiert.

Es war das Ergebnis eines Dual-Track- Verfahrens, bei dem sich die Verkäufer nun mal bis zum Schluss offenhalten können, ob sie das Objekt an die Börse bringen oder lieber veräußern.

Der Investor EQT aus Schweden und der Staatsfonds GIC aus Singapur hatten den Verkauf von Hengeler Mueller und Simmons & Simmons vorbereiten lassen, ein zweites Hengeler-Team arbeitete für EQT am Börsengang. Die beiden Prozesse waren sehr parallel angelegt. Springer Business wäre allerdings ein guter Kandidat für den Börsengang gewesen, daher richteten sich die M&A-Verhandlungen nach dem Fahrplan des Börsengangs.

Das Düsseldorfer Hengeler-Team um Dr. Reinhold Ernst und Dr. Maximilian Schiessl beriet die komplette Umwandlung von der GmbH in die Aktiengesellschaft inklusive einer Restrukturierung, neuer Vorstandsverträge und Managementbeteiligungsprogramme. Der Effekt war, dass die Mandanten viel mehr Gespräche mit Ernst führten und wenig Zeit für den Austausch mit dem Münchner Hengeler- Partner Ziegenhain fanden. Er hatte das Verkaufsberater-Team mitgeleitet.

Im Vergleich zum komplexeren Börsengang- Track wurde die Veräußerung wie „M&A für Arme“ betrieben, erzählt Ziegenhain. Der Fokus beim Börsengang liegt dabei auf den Interessen der Gesellschaft, beim Verkauf auf den Interessen der Gesellschafter. Für Letztere hat es Ziegenhain immerhin geschafft, die Haftungsrisiken ähnlich gering wie beim Börsengang zu halten.

Nils Matthias Koffka

Dr. Nils Koffka (Freshfields Bruckhaus Deringer)

Der IPO hätte nach Medienberichten mit einem Börsenwert von rund 2,3 Milliarden Euro zu Buche geschlagen, die ersten Verkaufsverhandlungen hatten sich dem Vernehmen nach bei einem Angebot von BC Partners über rund 3,1 Milliarden zerschlagen. Das war den Verkäufern einfach zu wenig. „Da stellte sich die Frage: Nimmt man mit dem Tradesale lieber den Spatz in der Hand als im Falle des IPO die Taube auf dem Dach?“, sagt Ziegenhain.

Es wurde eine fette Taube in der Hand, denn BC Partners hat in letzter Sekunde noch einmal aufgestockt: Sie zahlen zwar erst einmal nur die 3,1 Milliarden Euro, EQT und GIC bleiben mit rund zehn Prozent an Springer Science beteiligt. Doch wenn sich das Unternehmen gut entwickelt, gibt es für die Verkäufer Geld oben drauf.

Für Düsseldorfer Hengeler-Partner Ernst gibt es keinen Grund für Traurigkeit über den abgesagten Börsengang: „Unsere Mandanten hatten bis zum Schluss alle Handlungsoptionen und am Ende stand ein erfolgreicher Exit, das ist das Wichtigste.“ (tap)

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