EDITORIAL 10/13

Nach der Krise ist vor der Krise

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Ulrike Barth

Die Tage der Schwergewichte sind vorbei. In den Boomjahren des Beratermarktes hießen die dynamischsten Kanzleien Dewey & LeBoeuf oder Shearman & Sterling, hatten eine starke internationale Praxis und deutsche Rainmaker, die im M&A-Geschäft ein großes Rad drehten. Im Rückblick scheint das deutlich länger her zu sein als die fünf Jahre, die seit dem Ausbruch der Finanzkrise vergangen sind.

Heute gehören die Anwaltsarme der Wirtschaftsprüfungsgesellschaften mit ihrem integrierten Beratungsansatz zu den dynamischsten Kanzleien. In der Krise haben die großen Bank- und Finanzkanzleien Personal abgebaut und auf eine stärker partnerzentrierte Beratung umgestellt. Dagegen bauten breiter aufgestellte Kanzleien ihre Teams tendenziell aus („Ein langer Schatten“). So geht der Aufwärtstrend weiter: Mehr Anwälte machen in den Top-50-Kanzleien mehr Umsatz. Allerdings verliert der Markt an Tempo. Bewegung geht heute von kleineren und regionalen Kanzleien aus. Unter den Top 20 ändert sich indes nur wenig („In der Enge“).

Gerade die umsatzstärksten Kanzleien müssen sich ganz schön strecken, um ihre Position zu halten. Sie schrauben an ihren Geschäftsmodellen, in denen meist kaum noch Luft nach oben ist. An den kleinen Rädchen im Kanzleigetriebe drehen aber immer mehr Profis. „Die Schattenmänner“ hinter den Kanzleimanagern sind die Chief Operating Officer. Sie haben sich von Kostenoptimierern zu Strategen gemausert – und ihr Rat wird heute auch von manch vielbeschäftigtem Rainmaker geschätzt.

Für kommende Verwerfungen im Markt haben sich die Kanzleien mit ihren veränderten Strukturen gerüstet. Wie krisenfest sie sind, verraten die aktuellen Umsatzzahlen aber nur bedingt. Doch das Studium der Kennzahlen Ihrer Wettbewerber dürfte sich trotzdem lohnen. Auf unserer Internetseite können Sie Ihre Kanzleientwicklungen sogar direkt ins Verhältnis zu Ihren schärfsten Wettbewerbern setzen (www.juve.de/umsatzzahlen).

Eine aufschlussreiche Lektüre hier wie dort wünscht Ihnen

Ulrike Barth

ulrike.barth@juve.de

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