EDITORIAL 4/13

Der Mann, von dem man spricht

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Ulrike Barth

Auch wir tragen manchmal zur Legendenbildung bei. Dabei ist die Frage, ab wann man einen Juristen eigentlich als Anwaltslegende bezeichnen darf, relativ leicht zu beantworten.

Lebende Legenden üben Faszination aus – schon per Definition ist ihnen der Respekt und die Bewunderung der Kollegen sicher. Genauso wie die Spekulation und das Getuschel. Denn wer anderen zum Vorbild taugt, zieht auch ungewöhnlich viel Interesse auf sich. Insbesondere wenn er nicht nur ein außergewöhnlicher Mensch ist, sondern auch außergewöhnliche Entscheidungen trifft. Dass der Gründer von Haarmann Hemmelrath, Wilhelm Haarmann, im Alter von 62 Jahren zu Linklaters wechselt, ist so eine Entscheidung (Nachricht Hoffnungswert Haarmann). Sie hat nicht nur in der Redaktion Fragen ausgelöst: Warum macht er das? Was will er dort? Und: Was hat er eigentlich zuletzt so gemacht? Jörn Poppelbaum analysiert deshalb in seinem Kommentar die Verschenkten Jahre des Wilhelm Haarmann.

Lebende Legenden zeichnen sich durch ihren Erfolg aus – und durch die Fähigkeit, andere zu begeistern. Beides Eigenschaften, die viele Weggefährten auch Georg Thoma, dem Urgestein der deutschen Shearman & Sterling-Praxis, zuschreiben. Doch die JUVE-Recherche förderte auch eine andere Seite der Legendenbildung zutage: Unser Titelartikel Glücklose Abwehrstrategen zeigt, warum der innere Zirkel um Thoma zwar die Kanzlei auf Erfolgskurs hält, es aber nicht schafft, junge Talente zu halten.

Ob der Aufbau des neuen Bayer-Panels legendär gewesen ist, sei einmal dahingestellt. Sicher ist, dass das stark an Überlegungen der Einkaufsabteilung orientierte Vorgehen des Pharmakonzerns keine märchenhaften Verhältnisse für Kanzleien geschaffen hat (Unternehmensnachrichten).

Viel Spaß beim Lesen eines sagenhaften Heftes wünscht Ihnen

Ulrike Barth

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