EDITORIAL 9/13

Die Stunde der Streithansel

Votsmeier_Volker

Volker Votsmeier

An der Grenze der Geduld beginnen die Konflikte“, hat der irische Schriftsteller Oscar Wilde einmal gesagt. Seit der Finanzkrise 2008 sind Unternehmen und Investoren viel ungeduldiger geworden, wenn es darum geht, ihre Interessen zu wahren. Und mit der steigenden Zahl von Konflikten schlägt die Stunde der Prozessspezialisten. Anders als etwa in Amerika fristeten sie in Deutschland lange ein Schattendasein in den Kanzleien, kaum ernst genommen von den Gesellschaftsrechtlern und Finanzspezialisten. Doch seit einigen Jahren dreht sich der Wind und die Robenträger treten in den Vordergrund. Fast überall mit großem wirtschaftlichem Erfolg – aber mit sehr unterschiedlichen Anwaltstypen („Im Rampenlicht“).

In arbeitsrechtlichen Einigungsstellen geht es ebenfalls darum, Konflikte zu lösen – allerdings ohne die Gerichte zu bemühen. Vielmehr geht es dort oft zu wie in einer Pokerrunde, außerhalb eines gesetzlichen Rahmens („Am Pokertisch“). Zum Einsatz kommen Einigungsstellen, wenn im Streit zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat nichts mehr geht, etwa in der Verhandlung um einen Sozialplan. Dieses Instrument ist gefragter denn je. Traditionell übernehmen Arbeitsrichter im Nebenjob den äußerst lukrativen Vorsitz solcher Einigungsstellen. Doch seit einigen Jahren machen ihnen professionelle Anbieter Konkurrenz und jagen ihnen Marktanteile ab.

Konfliktlösung in China sieht da ganz anders aus. Geduld, Vertrauen, Verhandeln – das tägliche Brot von Inhouse-Juristen deutscher Unternehmen in China. „Abwarten – oder Tee trinken“ heißt die Devise, denn nur eine gut gepflegte Beziehung ist auch eine geschäftlich erfolgreiche. Eine gewinnbringende und spannende Lektüre wünscht Ihnen

Volker Votsmeier

volker.votsmeier@juve.de

  • Teilen