CLOSING 03/14

Schwarze Schwäne

von Marcus Jung

Völlig überraschende Ereignisse im Anwaltsmarkt, deren Eintreten extrem unwahrscheinlich ist

SchwanWas interessiert mich mein Geschwätz von gestern. Im März lädt Klaus Tolksdorf, BGH-Präsident a.D. zur Pressekonferenz. Der Privatier gibt bekannt, nach einer kurzen Auszeit ab Frühsommer als Anwalt bei einer Kanzlei einsteigen zu wollen. „Was ist denn mit Ihren früheren Vorbehalten gegenüber solchen Wechseln“, fragt ein Journalist. „Goette und Terno? Schnee von gestern“, winkt Tolksdorf ab. Und was steckt hinter den Gerüchten, in Karlsruhe gäbe es bald eine Megafusion mit BGHAnwaltsinstitution Prof. Dr. Krämer als Special of Counsel? „Rufen Sie mich in vier Monaten an“, so ein gut gelaunter Tolksdorf beim Abschied. „Ich muss zum Flieger.“

Im Auge des Tigers. Alter Name weg, Bedeutungsverlust in der Peripherie, interne Memos nur noch auf Mandarin. Zum Geschäftsjahresende im April reicht es dem deutschen Außenposten von King & Wood Mallesons – 50 Anwälte lassen die alte Keimzelle Knopf Tulloch & Partner wieder auferstehen. „Deutsche Beratungsqualität, ganz nah an der Industrie“, verspricht die Kanzleibroschüre. Im neuen Standby-Office am Frankfurter Flughafen konzentriert man sich voll auf Asien: Mit Hongkong, Schanghai, Peking-Nord/Süd und Guangzhou gibt es gleich fünf Büros in China.

Sportförderung im Kranhaus Süd. Sensation in der Sommerpause: Freshfields Bruckhaus Deringer gedenkt ihrer Kölner Wurzeln und kauft den lokalen Regionalligisten Fortuna Köln. Das 40-Millionen-Euro-Investment stemmt die Kanzlei, indem alle deutschen Partner auf ihre Gewinnentnahmen verzichten. Bei dem Coup setzten sich die 20 Kölner Partner gegen heftigsten Widerstand aus Düsseldorf und Hamburg durch – beide Standorte hatten die Übernahme ihrer lokalen Clubs favorisiert. Von dem Ärger beim Großinvestor bekommt das Fortuna- Fanlager indes nicht mit: „Jeder Frischfelder ist anders“, heißt es mit stoischkölscher Gelassenheit.

Berliner Modell. Ab Herbst grasen die Berliner Großkanzleien den süddeutschen Markt nach Associates ab. Ihr Plan: Herausragende Juristen aus der schwäbischen und bayerischen Provinz erliegen dem Reiz der Weltstadt und arbeiten dort für ein Drittel des Einstiegsgehalts, das sie in München oder Frankfurt erhalten würden. Bei sinkenden Personalkosten erwirtschaften die Kanzleien so mehr Gewinn, zumal sie die Lebensmittelgutscheine für den Späti und das BVG- Jobticket steuerlich abschreiben können. Die Vorreiterin ist Linklaters (wer sonst?). Auch Clifford Chance plant ein Niedriglohn-Büro in Berlin-Wedding. Wegen des belasteten Verhältnisses mit den Verkehrsbetrieben müssen ihre Anwälte allerdings Rad fahren.

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