DEAL DES MONATS 01/14

Aufwendiger Abschied

Bad Bank vollendet Trennung von HRE mit Wilmer

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Martin Seyfarth (Wilmer Hale)

Es war ein teurer Ausflug an die mexikanische Pazifikküste. Über 277 Millionen US-Dollar hatte die Hypo Real Estate (HRE) in den US-Investor Global Hospitality Investments (GHI) gepumpt, damit er das Fünf-Sterne-Hotel Fairmont Acapulco Princess kaufen kann. Doch der Kollaps des US-Immobilienmarkts setzte GHI so stark zu, dass er das Darlehen seit 2010 nicht mehr bedient. Der Kredit steht nun in den Büchern der HRE-Bad Bank.

Der faule Kredit für das Hotel ist eine vergleichsweise kleine, aber typische HREAltlast, mit der sich WilmerHale-Partner Martin Seyfarth im Rahmen eines Großmandats befasst: Seine Kanzlei erhielt den Auftrag, die Verwaltung der HRE-Altlasten auf eine neue Gesellschaft zu übertragen.

Der Auftrag hat eine komplexe Vorgeschichte. Schon vor Jahren hatte der Staat die HRE gerettet, nachdem sie in die Schieflage geraten war. 2010 wurde die FMS Wertmanagement als Abwicklungsanstalt der HRE gegründet. Das Institut übernahm Risiken und einige Geschäftsbereiche der HRE-Gruppe. Ursprünglich betrug das Nominalvolumen des Portfolios aus Darlehen, Anleihen und Derivaten rund 175 Milliarden Euro. Aktuell stehen 128,5 Milliarden Euro in der Bilanz.

Die HRE-Konzerngesellschaften PBB Deutsche Pfandbriefbank und Depfa Bank verwalteten zunächst als Dienstleister der FMS Wertmanagement das Risikovermögen. Die EU machte allerdings die staatliche Beihilfe für die HRE davon abhängig, dass die Dienstleistung zum Oktober 2013 auf einen Dritten übertragen wird. Daher musste eine neue Struktur her.

Für das komplexe Projekt brauchte die FMS Wertmanagement externe Berater. Wilmer setzte sich in dem Auswahlverfahren durch. Auf den ersten Blick mag das überraschen, hatten doch vor allem große bankaufsichtsrechtliche Praxen den Start der Bad Bank begleitet: Hengeler Mueller war für die HRE tätig, Freshfields Bruckhaus Deringer für die staatliche Finanzmarktstabilisierungsanstalt (FMSA) und Hogan Lovells für die Bad Bank selbst.

Bei dem neuen Projekt konnte Wilmer mit ihrem Know-how beim Managen großer Projekte punkten. Seyfarth hatte dies bereits bei Einführung des Pfandsystems bewiesen, zudem kam ihm nun seine Erfahrung bei politisch sensiblen Themen zugute. Neben Wilmer war Hogan Lovells gefragt. Mit einem großen grenzüberschreitenden Team beriet die Kanzlei vor allem im Steuer- und Bankaufsichtsrecht.

Gemmel_Heiko

Heiko Gemmel (Hogan Lovells)

Die neu gegründete Tochter erbringt zahlreiche Dienstleistungen über internationale Niederlassungen. Daher stellte sich die komplexe Frage, wie die Dienstleistungen und die Beauftragung externer Dienstleister in den verschiedenen Ländern umsatzsteuerlich zu behandeln sind. Ähnlich schwierig war das internationale Steuerrecht. Das Steuerteam von Hogan Lovells musste die unterschiedlichen steuerlichen Konsequenzen in den jeweiligen Jurisdiktionen berücksichtigen. Teilweise sorgten dabei verbindlichen Auskünfte von Behörden für Sicherheit bei der Besteuerung.

Wegen des Betriebsübergangs fielen arbeitsrechtliche Fragen an. Diese verantwortete Prof. Dr. Georg Annuß, der während des Mandats von Noerr zu Linklaters gewechselt ist. Rund 250 Mitarbeiter der HRE wechselten indessen zur neuen FMS-Dienstleistungstochter an die Standorte Unterschleißheim, London, Dublin und New York. Zugleich gab es einen 400 Millionen Euro schweren strategischen IT-Outsourcingauftrag, den IBM ergatterte.

So ist wieder ein Teil des HRE-Problemfalls abgearbeitet. Mit dem Verkauf ihrer Töchter PBB Deutsche Pfandbriefbank und Depfa Bank stehen die nächsten Aufgaben an, die Investmentbanken sind in Stellung gebracht. Wilmer generierte aus dem FMS Wertmanagement-Mandat bereits weitere Aufträge. Seyfarths Bostoner Immobilienrechts- Kollegen verhandeln im Auftrag der Bad Bank über den Verkauf des Fairmont- Hotels in Mexiko. (vov)

Berater FMS Wertmanagement

WilmerHale (Berlin): Martin Seyfarth (Federführung; Gesellschaftsrecht), Hanns-Eberhard Schleyer (Öffentliches Recht), Michael Holter (Gesellschaftsrecht; London), Dr. Christian Crones, Dr. Martin Braun, Marcus Pickel (alle Frankfurt), Dr. Roland Steinmeyer (alle Outsourcing/Verträge), Dr. Peter Gey (Vergaberecht; Frankfurt), Reinfrid Fischer (Bankaufsichtsrecht), Dr. Jan Heithecker (Beihilferecht), Stephen Pollard (London), Patrick Späth (beide Compliance), Elizabeth Derbes (US Bankaufsichtsrecht/ Compliance; New York) und Associates

Hogan Lovells (Frankfurt): Heiko Gemmel (Federführung Steuerrecht), Dr. Tim Brandi (Federführung Bankaufsichtsrecht), Fulvia Astolfi (Rom), Xenia Legendre (Paris), Anton Louwinger (Amsterdam), Philip Harle (London), Miguel Angel Sanchez (Madrid), Nancy O‘Neil, Todd Miller, Stephen Giordano (alle Washington), Fintan Clancy (Dublin; alle Steuerrecht), Dr. Richard Reimer, Jeffrey Greenbaum, Elegna Pagnoni (beide Rom), Philip Boys, Sébastien Gros (beide Paris), Jose Luis Vazquez (Madrid), Dan Meade (Washington), Helen Atkenson (Denver), Ken Breken (Amsterdam), Christopher Noblet (Budapest; alle Bankaufsichtsrecht) und Associates

Linklaters (München): Prof. Dr. Georg Annuß ( Arbeitsrecht)

KPMG Law (Nürnberg): Mathias Oberndörfer, Kai Wischnat, Jan Seidel, Christoph Herrmann (alle Vergaberecht)

Inhouse (München): Dr. Peter Schad (Leiter Recht), Gilbert Kiser, Dr. Nico Zachert, Nina Klingemann (Steuern)

 

Berater IBM

Haver & Mailänder (Stuttgart): Dr. Alexander Hübner – aus dem Markt bekannt

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