DEAL DES MONATS 02/14

In Aufbruchstimmung

Morrison & Foerster unterstützt Axel Springer beim Kauf von N24

Ein „führendes multimediales Nachrichtenunternehmen für Qualitätsjournalismus“ will der Axel Springer Konzern werden. Das verkündete der Verlag nach dem Erwerb des Nachrichtensenders N24 Anfang Dezember. Klingt nach einem Großprojekt. Ist es auch. Begleitet wurde Springer bei diesem Deal von Christoph Wagner, der indessen ebenfalls in Aufbruchstimmung gewesen ist. Der Berliner Medien- und Transaktionsexperte wechselte nämlich erst im Oktober von Hogan Lovells zur US-Kanzlei Morrison & Foerster. Klingt nach Stress. War es aber nicht. Ihn begleiteten so viele Anwälte, dass er lediglich das Klingelschild und die IT an seinem Arbeitsplatz auswechseln musste.

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Dr. Christoph Wagner (Morrison & Foerster)

Das Team behielt die Büroräume, Hogan Lovells steht jetzt hingegen ohne Hauptstadtpräsenz da. Wagner blieb so genug Zeit, um sich für seine neue Kanzlei auf das erste Prestigemandat in Deutschland zu konzentrieren, um das ihn mancher Wettbewerber sicher beneidet hat. Die Mandatierung ist nicht selbstverständlich. Manch einer hätte eher Milbank Tweed Hadley & McCloy auf der Käuferseite vermutet. Denn in der Vergangenheit setzte das Medienhaus beispielsweise bei Transaktionen häufig auf die Expertise des Münchner Corporate-Teams um Partner Norbert Rieger. Er und sein Team hatten den Konzern unter anderem beim Erwerb der Mehrheitsanteile am polnischen Online- Portals Onet.pl und der Kooperation mit dem Schweizer Verlagshaus Ringier beraten.

Rieger war nun zwar auch an dem N24-Deal beteiligt – allerdings auf der Gegenseite. Er hat einen sehr guten Draht zu N24-Geschäftsführer Torsten Rossmann, den er seit vielen Jahren kennt. Rossmann war es auch, der Milbank an Bord holte.

Gute Gründe für die Mandatierung von Wagner gab es für Springer zur Genüge: Immerhin gilt er als ausgewiesener Experte im Mediengeschäft mit hervorragender Branchenvernetzung. Gerade diese weitreichende Expertise war es auch, die für Springer den Ausschlag gegeben hat, Wagner beim N24-Erwerb zu mandatieren. Sein Wechsel zu Morrison & Foerster störte dabei nicht, Springer ging es in erster Linie um die Person Wagner.

In den vergangenen Jahren war Wagner an zahlreichen Fernsehdeals beteiligt. So beriet er den russischen Medienunternehmer Dmitry Lesnevsk beim Verkauf des Senders ‚Das Vierte‘ an Disney. Zudem betreute er seine Dauermandantin News Corp. beim Erwerb des Bezahlsenders Sky. Im vergangenen Sommer hat er für Springer einige Beteiligungen an kleineren Firmen gekauft, bevor er den Zuschlag für den N24-Kauf bekam.

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Dr. Norbert Rieger (Milbank Tweed Hadley & McCloy)

Begegnet sind sich Wagner und der Konzern schon 2006, als Springer die Sendergruppe ProSiebenSat.1 übernehmen wollte. Damals war die Berliner-Vorgängereinheit von Hogan Lovells (Hogan & Hartson Raue) sowohl auf Erwerber- als auch Eignerseite involviert. Als der Deal schließlich am Veto von Kartellamt und Medienaufsichtsbehörde (KEK) scheiterte, vertrat Wagner die ProSiebenSat.1-Gruppe im Verfahren vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf. Die Klage blieb erfolglos.

Dieses Mal sieht der Morrison & Foerster- Neupartner keine kartellrechtlichen Schwierigkeiten. Auf dem Zeitungsmarkt ist der Springer-Anteil durch den Verkauf der Regionalzeitungen und Zeitschriften geschrumpft. Auf dem Fernsehmarkt ist der Konzern (noch) nicht groß genug.

Neben den externen Anwälten hatte das Berliner Springer-Inhouse-Team um Dr. Harck-Oluf Nissen beim Kauf von N24 eine wesentliche Rolle gespielt. Das Medienhaus hat seine Rechtsabteilung im Laufe der Jahre kontinuierlich erweitert. Mittlerweile arbeiten acht Juristen im Gesellschafts- und Kartellrecht, rund zwölf Juristen sind im Medienrecht tätig. Viele Deals im Inland stemmen sie ohne externe Hilfe. Kanzleien werden für große Deals hinzugezogen, die komplex oder zeitlich nicht allein zu bewältigen sind.

Die Rechtsabteilung versucht dabei die Mandate breit zu vergeben. Welche Kanzlei zurate gezogen wird, ergibt sich aus den Mandatsanforderungen. Beim Verkauf der Regionalzeitungen sowie der Zeitschriften an die Funke-Gruppe im vergangenen Sommer hat Hengeler Mueller den Zuschlag von Springer erhalten. Bei der Übernahme der Fitness-App Runtastic war ein Freshfields-Team behilflich. Eine Monopolstellung hat also keine Sozietät bei dem Unternehmen. (lau)

 

Berater Springer

Morrison & Foerster (Berlin): Dr. Christoph Wagner (Federführung; M&A/Medienrecht), Hanno Timner (Arbeitsrecht), Dr. Clemens Waitz (M&A), Kristina Ehle (IP/Commercial); Associates: Dr. Sebastian Schwalme, Dr. Harm-Randolf Döpkens, Karoline Boullay, Dr. Jens Hackl, Dr. Felix Helmstädter, Dr. Hilmar Hamm – aus dem Markt bekannt

Freshfields Bruckhaus Deringer (Berlin): Dr. Helmut Bergmann (Kartellrecht) – aus dem Markt bekannt

Inhouse Recht (Berlin): Dr. Harck-Oluf Nissen (Corporate/M&A; Leiter Corporate), Dr. Susanne Stollhoff (Medienrecht)

Inhouse Steuern (Berlin): Alexis Laszlo (Leiter Steuern)

 

Berater N24-Gesellschafter

Milbank Tweed Hadley & McCloy (München): Dr. Norbert Rieger (Federführung; Gesellschaftsrecht), Dr. Rolf Füger (Steuerrecht), Dr. Alexander Rinne (Kartellrecht), Dr. Andrea Eggenstein (Gesellschaftsrecht; Frankfurt); Associates: Christina Correll, Carlo Scheiternig (beide Gesellschaftsrecht), Dr. Matthias Schell (Steuerrecht)

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