DEAL DES MONATS 05/14

Heikles Wochenende

Hengeler manövriert inmitten der Krimkrise RWE Dea nach Russland

An diesem Wochenende Mitte März halten die Nachrichten über die Krim die Welt in Atem. Der Streit zwischen der Ukraine und Russland um die Halbinsel im Schwarzen Meer eskaliert, am Sonntag stimmen die Bewohner für die Vereinigung mit Russland. Die USA und EU drohen den Russen mit einem Wirtschaftsembargo, Russland kündigt Gegensanktionen an. Nicht gerade perfektes Timing für den Energiekonzern RWE, der an diesem Sonntag einen Milliardendeal mit russischen Oligarchen verkündet.

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Thomas Meurer (Hengeler Mueller)

Ein Fond aus Luxemburg, hinter dem der russische Milliardär Michail Fridman steht, kauft die Ölfördertochter RWE Dea für rund 5,1 Milliarden Euro. Gemeinsam mit dem russischen Milliardär German Khan hat er L1 Energy für die künftigen Investitionen in Dea gegründet. In Politik und Presse werden schnell Stimmen laut, die Bundesregierung solle die Transaktion untersagen.

Dabei war es um den Deal zunächst lange ruhig gewesen. Mit einem Vorlauf von einem knappen Jahr und weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat RWE gemeinsam mit Hengeler Mueller den Verkauf eines der Filetstücke des Konzerns eingeleitet. In Europa und Ägypten fördert Dea Öl und Gas, zudem hält das Unternehmen Anteile an rund 190 Öl- und Gaslizenzen in Europa, dem Nahen Osten und Nordafrika.

„Das Geschäft der Dea ist sehr speziell, daraus ergab sich weltweit eine fokussierte Short List von geeigneten Investoren“, sagt Hengeler-Partner Thomas Meurer, der gemeinsam mit Matthias Hentzen die Federführung inne hatte. Rechtlich wurde die Transaktion als Share-Deal strukturiert, doch sie trug starke Züge eines Asset- Deals. Die Bohr- und Förderkonzessionen mussten in den einzelnen Ländern wegen der unterschiedlichen Regulierungsvorgaben sehr genau geprüft werden. So arbeitete Hengeler eng mit den Kollegen von Slaughter and May in London und Amereller in Kairo und Tripolis zusammen.

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Ralph Wollburg (Linklaters)

Dabei hatten die Essener die politische Brisanz der Transaktion durchaus im Blick und unterrichteten deshalb schon frühzeitig die Bundesregierung. „Das Bundeswirtschaftsministerium darf aufgrund des Außenwirtschaftsrechts nur in besonders gelagerten Fällen einschreiten. Dazu ist eine Gefährdung der öffentlichen Ordnung oder Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland erforderlich“, erklärt Meurer. Eine solche Prüfung ist etwa bei Transaktionen in der Rüstungsbranche oft heikel. Bei RWE Dea signalisierten Kanzleramt und Bundeswirtschaftsministerium dem Käufer aber schnell, man erwarte durch den geplanten Deal keinerlei Einschränkungen der Versorgungssicherheit.

Bei dem sensiblen Verkauf setzte die RWE-Rechtsabteilung mit Hengeler auf eine vertraute Beraterin. So war die Sozietät auch beim Verkauf des Stromnetzes Amprion für RWE tätig. Über die Mandatsbeziehung von LetterOne zu Linklaters ist hingegen weniger bekannt. Die Kanzlei kam über den M&A-Berater Pamplona ins Mandat. Partner Ralph Wollburg pflegt regelmäßig Kontakt zu Pamplona, dessen Partner João Saraiva Silva wiederum den Kauf von Dea für LetterOne federführend gesteuert hat. (uba)

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