DEAL DES MONATS 07/14

Chinesische Klagemauern

Hengeler-Mandantin HRE muss Depfa-Verkauf abbrechen

Es war ein stürmisches Frühjahr im irischen Bankensektor. Grund dafür waren die Strafurteile gegen Ex- Vorstände der Anglo Irish Bank, die Irland 2008 an den Rand des Staatsbankrotts geführt hat. Unberührt vom Volkszorn hat im Dockland von Dublin ein anderes Bankhaus mit einer ähnlich unrühmlichem Vergangenheit ihren Sitz: die Depfa Bank. Ihre Subprime-Risiken zwangen zuerst die Holding- Mutter Hypo Real Estate (HRE) 2008 in die Knie und schließlich den deutschen Staat zum Handeln. Bis heute ist die Depfa für viele deutsche Anwälte neben Lehman Brothers das Sinnbild der Finanzkrise.

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Alexander Rang (Hengeler Mueller)

Mit der Verstaatlichung der HRE hatte der Bund ab 2009 auch das Sagen bei der Depfa. Weil die EU den Einstieg nur unter strengen Auflagen genehmigt hatte, leitete der Bund im Sommer 2013 den Verkaufsprozess für die Depfa ein – und sondierte parallel die Möglichkeit einer Abwicklung über die FMS Wertmanagement, die 2010 gegründete Bad Bank der HRE.

Lange war Shearman & Sterling die Hauskanzlei des Immobilienfinanzierers HRE, sie steuerte 2007 gemeinsam mit Freshfields Bruckhaus Deringer auch den milliardenschweren Zukauf der Depfa. Diesmal waren nur deren US-Anwälte beteiligt, Freshfields sollte eine andere Rolle zukommen. Zum deutschen Recht lag die Federführung bei dem jungen Hengeler- Partner Alexander Rang aus Frankfurt. Daneben positionierte sich Linklaters, die gemeinsam mit Hengeler schon bei der Auslagerung der faulen Wertpapiere auf die FMS Wertmanagement tätig war.

Weil das Zielobjekt seinen Sitz in Dublin hat und viele Aspekte dem irischen Recht unterlagen, mussten Käufer und Interessenten lokale Kanzleien einschalten. Für die überschaubare Anwaltsbranche der Inselrepublik – alleine im Kammerbezirk München gibt es mehr Rechtsanwälte – war dies eine Herausforderung. Für das politisch brisante M&A-Mandat dürfte nur die Gruppe der sechs größeren Einheiten in Frage gekommen sein.

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Hans-Hermann Aldenhoff (Simmons & Simmons)

Der Kreis wurde kleiner, nachdem sich der Bund die Dienste von Arthur Cox aufseiten der HRE und William Fry aufseiten des SoFFin sicherte. Gleich mehrere Bieter vertrauten mit A&L Goodbody auf die überragende Transaktionspraxis in Irland. Für deren Wahl sprach auch ihre schiere Größe: Keine andere Einheit vor Ort wäre sonst in der Lage gewesen, über Chinese Walls mehrere Teams für verschiedene Bieter abzustellen.

So war die M&A-Rainmakerin Eithne Fitzgerald gemeinsam mit Freshfields für den Investor Mead Park tätig. Der jüngere Partner Alan Casey beriet gemeinsam mit einem Team um Dr. Hans-Hermann Aldenhoff von Simmons & Simmons in Düsseldorf das letztlich verbliebene Bieterkonsortium aus Finanzinvestor Leucadia und Versicherer MassMutual.

Die strenge Geheimhaltung des Projekts resultierte allerdings in einem unerwarteten Ende. Zur Überraschung von A&L Goodbody und den deutschen Anwälten von Simmons & Simmons schlug der Bund gegen den Willen der HRE eine Offerte über 320 Millionen Euro in letzter Sekunde aus. Die monatelange Arbeit hinter den Chinese Walls war umsonst. Nun muss die FMS Wertmanagement die Depfa abwickeln. (mj)

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