DEAL DES MONATS 09/14

Kniffliges Rollenspiel

Dievini wird mit Rittershaus vom Verkäufer zum Käufer von LTS

Monatelange Verhandlungen, unzählige Kaufinteressenten und vier verschiedene Kaufverträge. Der Verkauf des Andernacher Medizinpflasterherstellers LTS Lohmann entwickelte sich vom alltäglichen Deal zum echten Krimi und brachte am Ende einen für alle überraschenden Erwerber hervor.

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Christof Hettich (Rittershaus)

Eigentlich begann alles wie bei einer ganz normalen Transaktion: Mehrheitseignerin Novartis holte sich Allen & Overy an die Seite, genauso suchten sich die beiden anderen Eigner rechtlichen Rat. Dievini Hopp, die Beteiligungsgesellschaft von Dietmar Hopp aus Mannheim, vertraute Rittershaus. Die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft BWK griff wie so oft auf CMS Hasche Sigle zurück. Alle drei wollten zusammen ihre Beteiligung verkaufen.

Dabei ist LTS ein attraktives Investment: Das Unternehmen hat neben knapp 1.200 Mitarbeitern und 300 Millionen Euro Umsatz auch 5.000 Patente. Kaum einer rechnete mit großen Schwierigkeiten, einen Käufer zu finden. Die Anwälte, allen voran Dr. Hartmut Krause von Allen & Overy für Novartis, setzten ein Auktionsverfahren auf. Soweit, so normal.

Schnell meldeten sich auch die ersten Interessenten, darunter sollen Finanzinvestoren und der Pharmakonzern Hisamitsu gewesen sein. Die Angebote bewegten sich Medienberichten zufolge bei satten 1,2 Milliarden Euro. Die Anwälte empfanden die Verhandlungen mit dem französischen Investor Wendel als sehr fruchtbar, hofften auf ein schnelles Closing. Der Kaufvertrag war sogar schon fast fertig – da schoss Dievini quer. „Dievini hatte eine bestimmte Preisvorstellung, von der das Unternehmen nicht abweichen wollte“, so der Mannheimer Dievini- Anwalt Prof. Dr. Christof Hettich von Rittershaus. Zudem habe es kartellrechtliche Bedenken gegeben.

Der Deal platzte schließlich. Schon hier deutete sich ein strukturelles Problem an: Es existierte zwischen den drei Eignern kein Shareholder-Agreement. Sie mussten sich einig werden, doch es herrschte Zwist: Dievini wollte einen hohen Preis, Novartis das Geschäft loswerden. BWK stand irgendwo dazwischen.

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Hartmut Krause (Allen & Overy)

Auch der anschließende Verkaufsversuch an Evonik scheiterte am Aufsichtsrat des Essener Mischkonzerns. Danach ließ Dievini einen eigentlich schon fast fertigen Deal mit Nordic Capital platzen. Neben dem Preis könnten hier auch wieder kartellrechtliche Bedenken eine Rolle gespielt haben. Nun kam es zu der für alle überraschenden Kehrtwende. Auf einmal entschied sich das Mannheimer Unternehmen, selbst ein Gebot abzugeben.

Für die Anwälte von Dievini war das eine Herausforderung: „Ich habe das Team dann nochmal etwas ergänzt und umgestrickt“, erinnert sich Hettich von Rittershaus. „Denn es ist auch psychologisch nicht so ganz einfach, wenn man zunächst auf der gleichen Seite steht und dann die Rollen tauscht.“

Dabei war seine Rolle schon von Anfang an kompliziert genug: Hettich ist gleichzeitig Geschäftsführer von Dievini Hopp, für die seine Kanzlei Rittershaus quasi als ausgelagerte Rechtsabteilung arbeitet. Somit war Hettich in dieser Transaktion sozusagen Mandant und Anwalt zugleich. Außerdem sitzt er als Anteilseigner im Aufsichtsrat der LTS Lohmann.

Hettich ist mit solchen Konstellationen aber erfahren und hat schon viele Deals für Dievini und andere Mandanten auf diese Art begleitet. Nachdem LTS nun komplett in den Händen von Dievini übergegangen ist, muss er aber zurückblickend einräumen: „Das war sicher eine der größeren und vor allem interessantesten Transaktionen der Kanzlei bisher.“ (cb)

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