DEAL DES MONATS 10/14

Von Manila über Singapur nach Berlin

Philippiner beteiligen sich mit Olswang an Rocket Internet

Sechs Stunden Zeitverschiebung können von Vorteil sein. Wenn die Olswang-Anwälte in Singapur den Feier­abend einläuten, ist es in Deutschland erst Nachmittag. Im fliegenden Wechsel brachten die Olswang-Büros in Singa­pur und Berlin so eine ungewöhnliche Transaktion innerhalb von sechs Wochen unter Dach und Fach, die viel Beachtung in Deutschland erfahren sollte: Der Tele­komkonzern Philippine Long Distance Tele­phone stieg bei Rocket Internet ein.

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Thomas Schubert

Zu diesem Zeitpunkt sind die Philippiner die dritten externen Kapitalgeber bei der Berliner Start-up-Schmiede. Neben den Gebrüdern Samwer als Gründer investierten die Beteiligungsgesellschaft Kinnevik und Access Industries mit dem Russen Len Blatvatnik an der Spitze. Philippine Long Distance Telephone ist kein reiner Investor. Das Unternehmen erhält zu den zehn Prozent Anteilen einen Sitz im Aufsichtsrat und soll vor allem bei mobilen Zahlungssystemen mit Rocket Internet zusammenarbeiten. Philippine Long Distance Telephone bot sich aus zweierlei Gründen an: Es sitzt im philippinischen Manila und damit in einem Land, in das die Samwer-Brüder erklärtermaßen vorstoßen wollen. Außerdem verfügt es über viel Erfahrung bei mobilen Bezahlsystemen.

Olswang kam über das Büro in Singapur an das exotische Mandat. Die britische Kanzlei hatte Anfang 2012 dort eröffnet, um vor allem Mandanten aus den Bereichen Medien, Technologie und Telekommunikation zu beraten. Das hat funktioniert: Der dortige Partner Ian Ferguson verfügt mittlerweile über gute Kontakte zu Telekommunikationsunternehmen und war zunächst zu Commercial-Fragen von Philippine Long Distance Telephone angefragt worden. Schnell war jedoch klar, dass sich das Mandat erheblich ausweitet, und so holte er die Berliner Olswang-Anwälte ins Boot.

Am Ende bestand das Mandat aus genau zwei Säulen: die Beratung zur Kapitalerhöhung im Vorfeld des geplanten IPO sowie die Beratung um die zukünftige Aufgabenverteilung bei den Bezahlsystemen. Die Zeitverschiebung hatte dabei neben der fließenden Zusammenarbeit auch andere Effekte. Neben nächtlichen Telefonkonferenzen wurde die Börsennotierung von Philippine Long Distance Telephone in Manila zu einem zeitkritischen Faktor. Das Signing war so angesetzt, dass es mit den Anwälten um sechs Uhr morgens deutscher Zeit stattfand – pünktlich zur Börsenpause in Manila um 12 Uhr mittags.

Dabei hat Olswang mit Philippine Long Distance Telephone nicht das erste Mal ein asiatisches Technologieunternehmen beim Einstieg in den europäischen Markt begleitet. Zudem sammelte Schubert in seiner Zeit bei Mayer Brown Erfahrung mit asiatischen Mandanten. Dort war er 2012 als Düsseldorfer Associate Teil des Teams, das den chinesischen Energiekonzern Hanergy beim Kauf der Q-Cells-Tochter Solibro beriet. Wenige Monate später wechselte er dann als Partner zu Olswang nach Berlin.

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Sascha Leske

Für den Berliner Noerr-Partner Sascha Leske geht es mit dem Dauermandat für die Samwer-Brüder indessen in gewohnt zügigen Schritten voran. Noerr ist seit Jahren die Haus- und Hofberaterin von Rocket Internet sowie Zalando, einem der bekanntesten Investments der Samwer-Brüder. Leske, der in der Risikokapitalszene sehr viel fachliche Anerkennung genießt, begleitet den Aufstieg der Gebrüder damit fast seit den Anfangstagen ihres Unternehmertums intensiv mit. Und der Aufstieg ist fulminant: So ist Noerr im Rahmen des angestrebten Börsengangs von Rocket Internet aktiv geworden und mit dem Einstieg der Philippiner wurde Rocket Internet schon mit 3,3 Milliarden Euro bewertet. Nur wenige Tage später folgte der Einstieg des Konzerns United Internet über seinen Risikokapitalarm. Der Gesamtwert von Leskes Mandantin Rocket Internet stieg damit innerhalb weniger Tage um eine satte Milliarde auf 4,3 Milliarden Euro.

Ein Berliner Noerr-Team beriet Rocket zudem nur wenig später, als es mit Kinnevik, Access Industries und diversen weiteren Investoren einen globalen Mode-Onlinehändler formte. Die Unternehmen legen fünf bisher regional agierende E-Commerce-Plattformen für Mode zusammen. In der Transaktion, in der dem Vernehmen nach rund 100 Parteien involviert waren, übernahm Noerr gemeinsam mit EY die Schlüsselrollen auf Beraterseite. Das nächste Mandat lässt bestimmt wieder nicht lange auf sich warten. (EF)

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