DEAL DES MONATS 12/14

Auf Umbaukurs

Allen & Overy begleitet GeoSea beim Kauf der Hochtief-Windsparte

Nicolaus Ascherfeld kann aus dem Hamburger Büro seiner Kanzlei heraus direkt auf das Gewimmel aus großen und kleinen Schiffen blicken, die den Hafen nicht nur zu einer Sehenswürdigkeit, sondern auch zu einem zentralen Wirtschaftsfaktor der Hansestadt machen. Sogenannte Spezialhubschiffe werden hier wohl niemals einfahren. Sie spielen stattdessen auf dem Schreibtisch von Ascherfeld eine zentrale Rolle, da seine Mandantin GeoSea neue Eignerin der Hochtief-Windenergiesparte wird.

Ascherfeld_Nicolaus

Nicolaus Ascherfeld (Allen & Overy)

In zwei dieser Spezialschiffe hatte Hochtief beim Aufbau des profitablen Geschäfts investiert. Sie sollen nun den Besitzer wechseln und dürften zu den bedeutendsten Assets der Transaktion gehören. Denn ‚Vidar‘ und ‚Innovation‘ zählen zu den weltweit größten Errichterschiffen, die in der Offshore-Industrie zum Einsatz kommen. Kenner der maritimen Szene bewerten sie sogar als „die Kronjuwelen“ der Transaktion. Für Hochtief bedeutet der Abschied von der Sparte einen weiteren Schritt beim aktuellen Umbau, den der Konzern nach der Übernahme durch den spanischen Baukonzern ACS durchläuft. So verlief parallel auch der Verkauf des Wohnprojektentwicklers Formart.

Ascherfelds Mandantin GeoSea hingegen gehört zur belgischen Käuferin Deme. Wasserbau und Meerestechnik zählen dort zum Kerngeschäft. Auch an einigen der deutschen Nordsee-Windparks baute das Unternehmen schon mit, teils als Subunternehmer für Hochtief.

Doch der jetzige Deal stellt nicht nur für Hochtief eine Kursänderung dar. Er macht auch deutlich, wie sich seit dem schmerzhaften Kollaps der Schifffahrtsindustrie in der Finanzkrise 2008 die Beraterlandschaft gedreht hat: Allen & Overy war in früheren Jahren trotz des exponierten Bürostandorts in der Hafencity überhaupt nicht für einen maritimen Schwerpunkt bekannt. Es ist deshalb umso beachtlicher, wie Ascherfeld in den ersten drei Jahren nach seiner Partnerernennung gerade in diesem schwierigen Umfeld ein Geschäft aufbauen konnte und dafür auch die Unterstützung der Kanzlei erhielt.

Peltzer_Oliver

Oliver Peltzer (Dabelstein & Passehl)

Dabei ist es bei genauer Betrachtung so, dass sich gerade aus dem Umbruch in der Schifffahrtsbranche entscheidende Chancen ergeben haben. In dieser Situation waren Kanzleien mit Private-Equity-, Corporate- und Finanzierungskompetenz gefragt. Ein typisches Beispiel ist das Joint Venture zwischen Apollo und der Reederei Rickmers Ende 2013. Ziel: in gebrauchte Containerschiffe auf dem sogenannten Zweitmarkt zu investieren.

Das Projekt stellte erstmals unter Beweis, wie sehr sich der junge Corporate- Partner Ascherfeld zwischenzeitlich glaubwürdig als Berater in der Schifffahrtsbranche etabliert hatte. Denn er war nicht etwa aufseiten des Finanzinvestors mandatiert. Vielmehr hatte Allen & Overy nach einem erfolgreichen Pitch die bekannte Traditionsreederei als neue Mandantin gewonnen.

Im vergangenen Jahr begleitete Ascherfeld eine andere Reederei bei einem Joint Venture für eine Containerschiff-Investition. Hinzu kommen aber auch Mandate für Unternehmen auf der Finanziererseite, die eventuell eher in das gängige Bild der Arbeit von Großkanzleien im maritimen Wirtschaftssektor passen: etwa die Beratung einer Privatbank bei der Restrukturierung von Schiffskreditverträgen oder die Betreuung eines Finanzinvestors als Bieter für ein Portfolio notleidender Spezialschiffskredite.

Entscheidende Parallelen zur Windenergiebranche ergeben sich nicht zuletzt daraus, dass auch hier vielfacher Refinanzierungsbedarf entstanden ist, seit sich die Projekte als komplexer erwiesen haben als zunächst gedacht. Zu den bekannten Problemen bei der Netzanbindung kam unter anderem zusätzlich die Erfahrung, dass auf dem Meeresboden unerwartet viel Munition und Waffen aus dem Krieg lagern.

Für klassische Hamburger Schifffahrtskanzleien wie Dabelstein & Passehl eröffnete das Windenergie-Segment gleichermaßen neue Chancen. Der jüngere Corporate-Partner Dr. Oliver Peltzer zählt dabei zu der Gruppe von Anwälten, die sich erfolgreich über diese Ausrichtung im Offshoregeschäft positionieren konnten. Zu den Mandanten der Kanzlei zählen unter anderem Energiekonzerne und Windenergiedienstleister wie Frisia Offshore und SeaRenergy. (AN)

Weitere Infos zu den Beratern

  • Teilen