EDITORIAL 04/14

Kaderbildung

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Ulrike Barth

Nur wer in Bestform ist, fährt zur WM – das hat Jogi Löw vor dem Spiel gegen Chile noch einmal ganz deutlich gemacht. Das Primat der Bestenauslese gilt nach wie vor auch in den meisten Großkanzleien: Wer nicht aufsteigt, geht über kurz oder lang. Allein: Dieses System stößt nicht mehr auf besondere Gegenliebe in der sogenannten Generation Y. Denn für viele junge Wirtschaftsanwälte ist die Vollpartnerschaft längst nicht mehr das Ziel aller Wünsche. Nicht nur, weil der Tennisplatz verlockender wirkt als der Arbeitsplatz. Sondern auch, weil sie ihre Möglichkeiten realistisch einschätzen: Wo kaum noch Partner gemacht werden, strecken sich die Jungen auch nicht mehr danach, einer zu werden. Die Kanzleien haben es also mit einem teils selbstgemachten Phänomen zu tun – und müssen sich auf eine schwierige „Struktursuche“ begeben.

Dabei könnte auch eine andere, bessere Vernetzung mit den Ehemaligen Teil der Lösung sein. Wie man das eigene Alumninetzwerk als Mandats- und Personalbörse nutzen kann, machen große Unternehmensberatungen vor („Gruß an den Ex“).

Jogi Löw wurde für seine Ansage zur Kaderbildung mit einem Pflichtsieg „ belohnt“. Seitdem gilt für die Brasilien-Fahrer in spe: trainieren, trainieren, trainieren. Zumindest das haben die Großkanzleien schon längst perfektioniert. Selten war das Niveau der Ausbildung höher. Was wiederum Inhouse-Abteilungen unter Druck setzt. Dort wächst die Erkenntnis, dass sie im Wettlauf um die besten Talente mehr bieten und früher ansetzen müssen („Von Hasen und Igeln“).

Über einen Richter lobend zu sagen, er kenne „die wichtigsten Fälle selbst“, ist ungefähr so, als würde man über Mesut Özil sagen, er wisse ungefähr, wo das Tor steht. Trotzdem sollte man das Lob in der Bestenliste der deutschen Insolvenzrichter ernst nehmen: Denn drei Jahre nach der Einführung des ESUG haben sich die Aufgaben stark gewandelt – manche Gerichte haben diesen Wandel besser genutzt als andere („Neues Machtgefüge“).

Produktive Gedanken zur Kaderbildung hier wie dort wünscht Ihnen

Ulrike Barth

ulrike.barth@juve.de

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