EDITORIAL 11/14

Nichts bleibt, wie es ist

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Volker Votsmeier

Es gibt nicht viele Konzerne, die für Wirtschaftsanwälte so attraktiv sind wie Bayer. Megadeals und Umstrukturierungen sorgen für reichlich juristische Arbeit am Hochreck. Da sollten sich die Kanzleien glücklich schätzen, die Anfang 2013 einen Platz auf dem Panel ergattern konnten. Doch inzwischen ist die Ernüchterung groß. Die meisten Anwälte werten die aufwendige Bewerbung als Fehlinvestition („Bayarbeiter“). Doch wer sich in die Schmollecke zurückzieht, wird verlieren.

Dass Kanzleien beweglich sein können, zeigt Freshfields Bruckhaus Deringer. Mit namhaften M&A- und Finanzierungs-Quereinsteigern startete sie eine Offensive in den USA. Trotz Lockstep ist die Kanzlei dabei in der Vergütungsfrage anpassungsfähig. Ihr Ziel ist es, hochprofitabel zu sein – und zwar weltweit auf einem Niveau. Und ohne Rücksicht auf nationale Interessen („New York, New York“).

Bemerkenswert flexibel zeigte sich auch das Bundesjustizministerium: Weil der Minister keine Lust hat, sich mit abgelehnten BGH-Anwaltskandidaten zu streiten, lässt er nachträglich immer mehr Kandidaten zu. Das Auswahlverfahren für künftige BGH-Anwälte ist längst zur Farce geworden („Kurzsichtig“).

Völlig ungewiss ist, wie es mit dem Elektrohändler Media-Saturn weitergeht. Klar scheint nur, dass die unzähligen Klagen zwischen den Gesellschaftern Erich Kellerhals und Metro keine Lösung bringen werden. Im Gegenteil: Die juristischen Gefechte lähmen den Handelskonzern und gefährden seine Zukunft („Bis zur letzten Patrone!“).

Eine anregende Lektüre wünscht Ihnen

Volker Votsmeier

(volker.votsmeier@juve.de)

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