EDITORIAL 12/14

Alte und neue Bande

Albert_Christine

Christine Albert

Haben Sie sich das auch schon einmal gefragt: Was mache ich eigentlich hier? Eigentlich läuft im Job ja alles rund, aber trotzdem stellen Sie sich die Sinnfrage? Seit einiger Zeit gibt es sogar ein Wort dafür: Midcareer-Crisis. Der Wunsch nach Veränderung ist seit jeher eine treibende Kraft der Wirtschaft. Eine regelrechte Aufbruchstimmung herrscht auch im Kanzleimarkt. Nach der ersten Welle vor fast zehn Jahren in Hamburg haben zuletzt in vielen anderen Städten ehemalige Großkanzlei- Associates den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. So unterschiedlich die einzelnen Motivationen und Geschäftsmodelle auch sein mögen, fast allen Spin-offs ist der Wunsch gemein, zu ihren Ex-Arbeitgebern ein vertrauensvolles Verhältnis zu bewahren.

Das unterscheidet die Branche massiv von Industrieunternehmen. Wenn dort Mitarbeiter gehen, gilt: Wissen ist Macht. Das Bedürfnis nach einem besseren Schutz von Geschäftsgeheimnissen und vertraulichem Know-how ist dementsprechend groß. Die Hoffnungen der Betroffenen ruhen nun auf einem Richtlinienentwurf der EU-Kommission, der aber noch einige Hürden zu nehmen hat.

Die Frage, wohin es in Zukunft gehen soll, treibt unterdessen auch Großkanzleien wie Clifford Chance mächtig um. Unter dem neuen Management zieht sie die Zügel deutlich an, verschlankt ihre Strukturen und schraubt an der Profitabilität („Der deutsche Patient“). Damit repräsentiert Clifford auch den Trend im englischen Kanzleimarkt: Die Umsatzzahlen der UK 200 weisen Rekordwerte auf. Dennoch gilt dort für viele die Devise Keep calm and carry on, denn die wahren Gewinner sind nicht die heimischen Kanzleien, sondern die mit amerikanischem Ursprung.

Eine anregende Lektüre und gute Antworten auf Ihre Fragen wünscht

Christine Albert

(christine.albert@juve.de)

 

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