CLOSING 05/15

In den April geschickt

von Marcus Jung

 

In den April geschicktFifth Avenue, New York, Ende März 2015. Im Hauptquartier von Weil Gotshal & Manges sitzen die Kanzleistrategen um Executive-Partner Barry Wolf über den neuesten Rückmeldungen ihrer Associates: Arbeitszeiten, Work- Life-Balance und Stundenvorgaben … Das Feedback ist gelinde gesagt ernüchternd. Neidisch blickt man auf die europäischen Standorte, wo augenscheinlich alles viel, viel besser läuft. Da meldet sich die Personalabteilung mit einer Idee aus dem jüngsten Motivationsseminar „Anreize setzen“.

Was dann passiert, überrascht aber selbst das knallharte Management. JUVE liegen Auszüge der internen E-Mail-Kommunikation bei Weil Gotshal vor.

Von: Chief Talent Officer
Datum: Mittwoch, 1. April 2015, 07:01
An: US Alle; EU Alle; AS ALL
Betreff: Wichtige neue Richtlinie für E-Mails

Berichte, wonach in Frankreich und Deutschland über die Einführung von Regeln diskutiert wird, den beruflichen E-Mailverkehr einzuschränken,
haben uns bewogen, über unser eigenes Arbeitsumfeld und die Auswirkungen der ständigen Erreichbarkeit auf unsere Mitarbeiter und
deren Familien nachzudenken. Alle Studien, die wir berücksichtigen, weisen auf eine deutlich geringere Produktivität hin. (…) …mit Wirkung
zum 1. Mai 2015 treten die folgenden Regeln in Kraft:
(1) E-Mails werden nicht zwischen 23 Uhr bis 6 Uhr weitergeleitet.
(2) E-Mails werden nicht zwischen Freitag 23 Uhr bis zum darauffolgenden Montag 6 Uhr weitergeleitet.
(3) Im Fall eines Urlaubs werden E-Mails nicht von 23 Uhr am Tag vor Urlaubsbeginn bis 6 Uhr am Tag der Rückkehr weitergeleitet (…)
(…)

 

Die Reaktionen von Weil-Mitarbeitern sind nur mündlich überliefert. Aber über „Was soll ich mit all der Zeit anfangen?“, „Wenn das stimmt, ist das AWESOME. Wenn nicht, ist es der größte Witz der Geschichte“ bis zu wütenden Protesten wie „Idioten, Ihr unterminiert damit meine Ansprüche auf die Partnerschaft!!!“ ist alles dabei. Bevor es in New York und in den anderen Büros zu einer Palastrevolution kommt, zieht Executive-Partner Barry Wolf die Reißleine.

Von: Barry Wolf
Datum: Mittwoch, 1. April 2015, 15:11
An: US Alle; EU Alle; AS Alle
Betreff: Heutige Aprilscherz Nachricht

Ich spreche die heute früher gesendete E-Mail mit dem Titel „Wichtige neue Richtlinie für E-Mails“ an. Diese war der jährliche Aprilscherz
der Kanzlei und sollte witzig sein. Offensichtlich haben wir es falsch verstanden und wir entschuldigen uns aufrichtig dafür. Wir wissen und
schätzen die harte Arbeit, die Sie alle liefern (…)

 

Nach einer solchen Berg-und-Talfahrt dürften sich Weil Gotshal-Mitarbeiter jetzt schon fragen, was 2016 auf sie wartet. Angeblich soll die Kanzlei bei einigen Fluggesellschaften Kontigente nach Hawaii gebucht haben. Also eine kleine Waikiki-Party auf diesen Schock? Dann schon mal Aloha Weil Gotshal.

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