DEAL DES MONATS 01/15

Ringkämpfer in Doppelrolle

Nürburgring-Sanierer finden mit Weil Gotshal neuen Eigner

Einer Operation am offenen Herzen glich der Einstieg des russischen Oligarchen Viktor Kharitonin am Nürburgring. Schon seit Monaten hatte sich abgezeichnet, dass der bisherige Hauptkäufer Capricorn den Deal doch nicht stemmen kann. So hatten Sachwalter Jens Lieser und Sanierungsgeschäftsführer Thomas Schmidt bereits im Frühsommer die Kanzlei Weil Gotshal & Manges damit beauftragt, alternative Lösungswege zu suchen.

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Marc Gericke (Göddecke)

Der Job war äußerst komplex. Zum einen war Capricorn nur Mehrheitseigner der Käuferfirma Capricorn Nürburgring Besitzgesellschaft (CNBG). Berücksichtigt werden mussten aber auch die Interessen von GetSpeed. Das Unternehmen von Axel Heitmann, Ex-Partner der Boston Consulting Group, ist CNBG-Minderheitsgesellschafters. Zudem war die europarechtliche Hürde hoch. Denn der Einstieg Kharitonins könnte erneut unterlegene Nürburgring- Mitbewerber auf den Plan rufen, die sich durch den Gesellschafterwechsel in der CNBG übergangen fühlen.

Schon der Verkauf an CNBG und der Zuschlag für Capricorn hatten für europarechtliche Beschwerden gesorgt. So rügten das US-Bieterkonsortium HIG Capital mit Freshfields Bruckhaus Deringer und der US-Tech-Konzern Nexovation mit Norton Rose Fulbright das Verfahren als europarechtswidrig. Zwar hat die EU-Kommission Anfang Oktober den Deal beihilferechtlich abgesegnet. Doch es deutet einiges darauf hin, dass der Fall vor dem Hintergrund der Kharitonin-Transaktion erneut aufgerollt werden muss.

Die Kommission hatte zur Bedingung gemacht, dass künftig ein Treuhänder als Verpächter des Rings und Herr über den Kaufvertrag agieren muss. Und hier kommt auch Weil Gotshal wieder eine zentrale Rolle zu. Das von Prof. Dr. Gerhard Schmidt geführte Team brachte den Eigentümerwechsel bei CNBG schließlich über die Bühne. KPMG Law hatte den Ursprungsdeal begleitet, sie blieb diesmal außen vor. Wegen der europarechtlichen Komponente haben die Ringsanierer jedoch wieder den anerkannten Beihilferechtler Christoph von Donat von der Kanzlei Müller-Wrede & Partner hinzugezogen.

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Gerhard Schmidt (Weil Gotshal & Manges)

Lieser und Schmidt sehen beim Einstieg Kharitonins die europarechtlichen Anforderungen als erfüllt an. Es handele sich eben nicht um einen Verkauf, die Regeln eines transparenten und diskriminierungsfreien Verfahrens kämen damit überhaupt nicht zum Tragen. Vielmehr habe es lediglich einen Wechsel auf der Gesellschafterebene gegeben. Und der sei über einen unabhängigen Treuhänder gelaufen, so die Ringsanierer.

Allerdings gibt es auch an dieser Stelle Streit. Denn nach Medienberichten handelt es sich bei dem Treuhänder um die W Special Solutions. Sie ist nach eigenen Angaben „kooperierende Treuhandgesellschaft“ von Weil Gotshal. Eigentümer sind über eine Muttergesellschaft wiederum die Weil-Partner Schmidt, Jürgen Börst, Tobias Geerling und Uwe Hartmann. Viele Experten sehen in der Doppelrolle von Weil als Berater der Ringsanierer und Treuhänder einen klaren Interessenkonflikt.

Der Kharitonin-Coup lässt also noch viele Fragen nach der Zukunft der Eifel- Rennstrecke offen. Denn nicht nur die unterlegenen Bieter regen sich wieder – auch der Gläubigerausschuss der insolventen Nürburgring GmbH hat noch nicht sein letztes Wort gesprochen. Laut Lieser und Schmidt haben sie in der Kharitonin-Sache zwar nichts zu melden, doch das sieht das fünfköpfige Gremium anders. Denn auch die vom Capricorn-Chef Wild gestellten Sicherheiten müssen ausgetauscht werden – und dazu dürfte der Ausschuss sehr wohl grünes Licht geben müssen.

Zwei Mitglieder haben sich mit eigenen Anwälten gewappnet: Reinhold Schüssler, Bürgermeister der Gemeinde Nürburg, lässt sich von Dr. Lorenzo Matthaei von Wellensiek begleiten, und sein Kollege Udo Mergen aus Müllenbach vertraut auf Carl-Bernhard von Heusinger aus der Koblenzer Kanzlei VHM. Sie beklagen unter anderem, dass nicht klar ist, wer neben Kharitonin hinter der neu eingestiegenen NR Holding steht. Zuletzt wurde immerhin bekannt, dass der ehemalige RWE-Chef Jürgen Großmann in den Aufsichtsrat der Holding einzieht.

CNBG-Mitgesellschafter Heitmann soll die Vorgänge derweil mit Skepsis betrachten. Beobachter gehen davon aus, dass auch er mit seinen Beratern von Dechert noch Ärger machen könnte. Der Patient Nürburgring hat zwar noch einmal überlebt – liegt jedoch weiterhin auf der Intensivstation. (vov)

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