DEAL DES MONATS 02/15

Abschied ins Grüne

E.on spaltet mit Linklaters Gas-, Kohle- und Atomgeschäft ab

E.on zerschlägt sich selbst. Anfang Dezember hat der Konzern eine radikale Kehrtwende vollzogen und den Ausstieg aus dem Geschäft mit konventionellen Energien bekanntgegeben. Das einstige Kerngeschäft mit Atom, Gas und Kohle soll der Vergangenheit angehören, der Konzern wird in Zukunft mit knapp 40.000 Mitarbeitern nur noch Ökostrom produzieren.

Rechtlich baut E.on bei der Umstrukturierung auf einen der Großen unter den Corporate-Anwälten: Linklaters-Partner Dr. Ralph Wollburg soll die neuen Gesellschaften juristisch stricken. Das Projekt wird die Kanzlei mindestens bis 2016 beschäftigen. Bis dahin will E.on die konventionelle Energieerzeugung in eine eigene Gesellschaft mit rund 20.000 Mitarbeitern abspalten und dann schrittweise an die Börse bringen. Die Mehrheit an der neu zu formenden Gesellschaft werden die bisherigen E.on-Aktionäre halten.

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Ralph Wollburg (Linklaters)

Ein spannendes wie komplexes Projekt, nach dem sich alle großen Corporate- Teams die Finger geleckt haben dürften. Besonders gute Chancen hätten Marktbeobachter dabei wohl Freshfields Bruckhaus Deringer und Hengeler Mueller zugesprochen – und nicht Linklaters.

Wollburgs Expertise für einen Fall wie diesen ist natürlich unbestritten. Der Linklaters- Partner hat erst vor einem Jahr den Stahlkonzern ThyssenKrupp gemeinsam mit Hengeler Mueller bei einer großen Umstrukturierung begleitet. Bei E.on kam die Kanzlei aber bislang eher bei speziellen Projekten zum Zuge, zuletzt etwa bei der Brasilien-Expansion.

Daher überrascht die Wahl zunächst. Mit Freshfields und Hengeler haben zwei ebenso renommierte Kanzleien bei E.on schon länger den Fuß in der Tür. In puncto Corporate-Expertise und Erfahrung bei komplexen Umstrukturierungen müssen sie sich nicht hinter der Konkurrentin verstecken. Freshfields galt vor Jahren als die gesetzte Beraterin an der Seite des Düsseldorfer Energiekonzerns schlechthin. Zuletzt beriet die Kanzlei E.on beim Verkauf der EVG-Anteile an First State und begleitet das Unternehmen umfassend zu den Klagen bezüglich der Brennelementesteuer.

Längst haben sich die einst exklusiven Beziehungen der großen Energiekonzerne zu ihren Beratern differenziert. Bei E.on kam in den vergangenen Jahren etwa Hengeler bei einigen Großtransaktionen zum Zuge, so beim Verkauf des Erdgasnetzes an Macquarie. In den Klagen gegen den Atomausstieg lässt sich E.on zudem von Gleiss Lutz vertreten – die zuletzt auch bei M&A-Deals immer mal wieder zum Zuge kam und gerade den Verkauf des Italien-Geschäfts betreut hat. Das Gerangel um M&A- und Corporate-Mandate bei E.on dürfte angesichts der gut positionierten Konkurrenz also groß sein.

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Staffan Illert (Linklaters)

Hinzu kommt: Es ist ein offenes Geheimnis, dass E.on ihre Beraterbeziehungen gerade grundsätzlich neu geordnet hat. Seit einem knappen Jahr gibt es Gerüchte um das neue Panel, im Dezember soll E.on die Verträge mit den ausgewählten Kanzleien unterschrieben haben. Dass Linklaters zu den Glücklichen auf der Auswahlliste gehört, dürfte nach dieser Mandatierung sicher sein.

Linklaters hat zuletzt bei den Panel- Prozessen großer deutscher Konzerne eine glückliche Hand beweisen. Sie steht beispielsweise auch beim Leverkusener Bayer-Konzern auf der Liste und erhielt die prestigeträchtige Aufgabe, ihn bei der Trennung von seiner Kunststoffsparte Material Science zu helfen. Auch hier soll Linklaters keine Geringere als Hengeler ausgestochen haben.

Möglicherweise kommt die Kanzlei dem aktuellen Denken der Kundschaft mehr entgegen als viele Konkurrenten. Schließlich steckt hinter den meisten neuen Panels ein Spar- und Optimierungsprogramm der Rechtsabteilung. Das ist auch bei E.on der Fall, wo die Rechtsabteilung ebenso wie der Rest des Konzerns unter Sparzwang steht. Der Bereich unter Leitung von Karl-Heinz Feldmann hat selbst gerade erst – parallel zu den Umstrukturierungen im Konzern – eine starke Veränderung erfahren. So wurde beispielsweise im Frühjahr 2013 mit dem Center of Competence Legal (CoC Legal) eine zentrale Stelle für die konzernübergreifenden Rechtsgebiete geschaffen.

Deren klarer Auftrag ist Effizienzgewinn: Rund 50 Mitarbeiter agieren hier vom Selbstverständnis her als interne Anwaltskanzlei im Konzern und sollen vor allem helfen, interne und externe Rechtsberatungskosten einzusparen. Ihre Aufteilung in die Bereiche Corporate, Energy Law & Environmental Law, General Civil Law & Construction Law und ICT Law entspricht dabei den Bereichen, in denen das neue Panel ausgeschrieben wurde.

Zahlenfixierte Kanzleien wie Linklaters, die ihre internen Prozesse längst durchoptimiert haben, kommen dem Mandantenwunsch nach effizienterem Arbeiten entgegen. Wettbewerber vermuten hinter den neu gewonnenen Mandaten von E.on und Bayer allerdings andere Gründe. „Die Kanzlei geht mit Niedrigpreisen in die Panel-Prozesse“, kritisiert ein etablierter Corporate-Partner. Linklaters hat bei E.on aber wohl vor allem ihren Corporate-Joker Wollburg ausgespielt. Der soll bei E.on- Aufsichtsratschef Werner Wenning, der auch den Aufsichtsrat von Bayer leitet, einen Stein im Brett haben. (uba)

Berater E.on
Linklaters (Düsseldorf): Dr. Ralph Wollburg,
Staffan Illert – aus dem Markt bekannt
Inhouse Recht (Düsseldorf): Karl-Heinz Feldmann
(Leiter Legal & Compliance), Dr. Patrick Wolff
(Corporate)

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