DEAL DES MONATS 10/15

Sahnestückchen an der Autobahn

White & Case verhilft Allianz-Konsortium zur Übernahme von Tank & Rast
Wagner_Gernot

Gernot Wagner

Ein bis zur Halskrause verschuldeter Ex-Staatsbetrieb, der unter anderem Geld damit verdient, Toiletten in Autobahnnähe zu betreiben, sucht einen neuen Besitzer. Jemand Interesse? Allerdings! In Australien heben die Investoren ihre Hände ebenso wie in China, Abu Dhabi, Kanada – und in München: Der Verkauf von Tank & Rast, für den schließlich ein Konsortium um Allianz Capital Partners für rund 3,5 Milliarden Euro den Zuschlag bekam, ist eine der größten Private-Equity-Transaktion in Deutschland seit dem Ausbruch der Finanzkrise. Aus der „Gesellschaft für Nebenbetriebe der Bundesautobahnen“, für die Ex-Verkehrsminister Franz Müntefering bei der Privatisierung 1998 noch 600 Millionen Euro erhielt, ist ein Investmentschlager geworden, der von einem Investor zum nächsten gereicht wurde.

Dass der Milliardendeal innerhalb weniger Monate zustande kam, mag auch daran liegen, dass das Target für niemanden eine Unbekannte war. Und so trafen sich am Verhandlungstisch alte Bekannte wieder, die Tank & Rast seit 2004 aus verschiedenen Perspektiven kennen. White & Case-Partner Gernot Wagner, der das Käuferkonsortium beriet: Er hatte Tank & Rast auf Bankenseite und mit Allen & Overy schon bei der Refinanzierung 2013 zur Seite gestanden. Oder Wagners Kollege aus London, Richard Youle, der erst Ende 2013 von Linklaters kam: Youle kennt den Verkäufer Terra Firma seit vielen Jahren aus seiner Zeit bei Linklaters. Weiterhin Ralph Drebes: Er war 2004 beim Terra Firma-Einstieg noch Associate, beim Verkauf hatte er für die Mandantin nun die Federführung inne. Und schließlich Torsten Rosenboom, der sowohl Terra Firma aus Linklaters-Zeiten als auch das Tank & Rast-Management kennt. Als Vertrauensanwalt wurde der Watson Farley-Anwalt früh in den Verkauf einbezogen.

Rosenboom_Torsten

Torsten Rosenboom

Bis zuletzt soll es auch Telefonate zwischen Hengeler-Partnern, den Beratern des chinesischen Staatsfonds CIC, und Linklaters gegeben haben. Die italienische Atlantia, beraten von Wilkie-Partner Georg Linde, und der australische Investor Macquarie, der Clifford-Partner Markus Muhs mandatiert hatte, waren da schon ausgestiegen. Für ein Gerücht halten am Deal Beteiligte allerdings, dass man CIC die Führung von Tank & Rast letzlich nicht zugetraut habe. Vielleicht sei es aber für ein Konsortium unter deutscher Führung einfacher zu verstehen, das eigenwillige Konstrukt Tank & Rast.

Dass trotz der 2,3 Milliarden Euro Schulden und nur gut 500 Millionen Euro Umsatz ein solch hoher Preis für Tank & Rast erzielt werden konnte, hat einen einfachen Grund: Für Infrastrukturinvestoren, die derzeit große Probleme haben, ihr Geld lukrativ anzulegen, ist das Unternehmen ein Sahnestückchen. Stabiler Cashflow, ein Quasi-Monopol. Schließlich muss jeder, der auf die Autobahn fährt, auch mal für eine Pause rechts ran fahren.

Drebes_Ralph

Ralph Drebes

Für den Private-Equity-Investor Terra Firma unter Führung des Briten Guy Hands war die Zeit jetzt reif, sich mit dem Asset eine goldene Nase zu verdienen. 2007 war ein Exitversuch noch gescheitert. Damals verkaufte der Investor die Hälfte an den Deutsche Bank-Infrastrukturfonds RREEF. Alles in allem behielt er das Unternehmen also elf Jahre lang im Portfolio – eine ziemlich lange Rast für ­einen Private-Equity-Investor. (eli)

zur vollständigen Beraterliste

  • Teilen