DEAL DES MONATS 6/15

Wanderpokal aus Edelstahl

ThyssenKrupp trennt sich von VDM Metals – im zweiten Anlauf

Man sieht sich immer zweimal im Leben. Das gilt offenbar nicht nur für Menschen, sondern auch für Unternehmensbeteiligungen. Von VDM Metals, dem sauerländischen Produzenten von Nickellegierungen und Edelstahl, hatte sich ThyssenKrupp schon vor drei Jahren getrennt. Die gesamte Edelstahlsparte namens Inoxum ging inklusive VDM damals an den Outokumpu-Konzern in Finnland. Ein 2,7-Milliarden-Euro-Deal mit Skadden Arps Slate Meagher & Flom auf Käuferseite und Hengeler Mueller für den Verkäufer. Weil übrigens damals auch die Rechtsabteilung wechselte, berichtet nun der deutsche Outokumpu-Chefjurist Dr. Philipp Voet van Vormizeele an den Vorstand im hohen Norden.

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Fred Wendt

Nun verkauft Thyssen VDM erneut. Wie das geht? Die langwierige kartellrechtliche Prüfung des Inoxum-Deals durch die EU-Wettbewerbshüter fiel negativ aus. Im Herbst 2013 wurde endlich klar, dass Thyssen Teile von Inoxum zurücknehmen muss, dafür einen Kredit an die Finnen aus den Büchern streicht und seine Beteiligung an Outokumpu verkauft. Auch das ein Milliarden-Deal, wenn man die Höhe des Kredits und den Wert der finnischen Beteiligung betrachtet. Die Rechtsberater der Rolle rückwärts waren dieselben wie bei der ursprünglichen Transaktion, und zusätzlich Freshfields Bruckhaus Deringer mit Dr. Martin Klusmann im Kartellrecht.

Jetzt, im Frühjahr 2015, übernimmt der US-Private-Equity-Fonds Lindsay Goldberg VDM. Ein Milliarden-Deal? Der Dax-Konzern selbst meldet etwas nebulös positive Effekte bei Schulden und Pensionsverpflichtungen sowie Buchwertberichtigungen. Laut ‚Handelsblatt‘ sollen die Amerikaner bis zu 500 Millionen Euro investiert haben. Im Bieterwettkampf um VDM hatten zwei Interessenten das Nachsehen: ein deutsch-amerikanisches Konsortium bestehend aus der US-Investmentfirma The Gores Group und dem ehemaligen Schmolz + Bickenbach-Chef Benedikt Niemeyer sowie der luxemburgische Stahlkonzern Aperam.

Man sieht sich immer zweimal – auch dem neuen Investor und seinem deutschen Repräsentanten ist VDM gut bekannt. Denn Lindsay Goldberg wird bei seinen Investitionen in Europa durch Lindsay Goldberg Vogel (LGV) vertreten. Chairman ist Prof. Dr. Dieter Vogel, der als Ex-Vorstandsvorsitzender der Thyssen AG die Fusion mit Krupp verantwortete. Mehr als zweimal, nämlich durchaus regelmäßig hat LGV den Gleiss-Partner Dr. Fred Wendt für seine deutschen Transaktionen mandatiert – zum Beispiel 2012 beim Kauf von Weener Plastik, aber auch schon 2005 bei einem weiteren Edelstahl-Deal, als LGV Klöckner & Co erwarb. Das Gleiss-Team jetzt wurde aus Hamburg angeführt von Wendt und Dr. Urszula Nartowska, die Anfang des Jahres zur Partnerin ernannt wurde. Für die US-Themen kam Richard Hall von Cravath Swaine & Moore hinzu – auch das eine etablierte Kooperation.

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Stephan Waldhausen

Thyssen setzte auf Freshfields. Dort gab es alle juristischen Themen inklusive der internationalen Bezüge im Paket, unter anderem das kartellrechtliche Know-how Klusmanns. Die Federführung hatte der Düsseldorfer Partner Dr. Stephan Waldhausen. Und weil man sich ja gern zweimal im Leben sieht, war das Aufeinandertreffen von Gleiss-Partner Wendt und Freshfields-Partner Waldhausen auch nicht das erste. Als Lindsay Goldberg 2005 mit Gleiss bei Klöckner einstieg, war Waldhausen Teil des Freshfields-Teams, das die WestLB beim Anteilsverkauf beriet. (ML)

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