EDITORIAL 11/15

Dicke Luft

Jatzkowski_Astrid

Astrid Jatzkowski

Skandale sind aufregend. Skandale rütteln auf. Skandale lassen die Kasse klingeln – auf jeden Fall für Anwälte. Volkswagen wird das in seiner Bilanz sehen. Heerscharen von Anwälten standen nach Bekanntwerden der Abgas-Manipulationen bereit, den Konzern von allen Seiten anzugreifen. Grund genug für uns, drei Beiträge der Abgas-Affäre des Wolfsburger Konzerns zu widmen.

Es ist müßig, zu philosophieren, ob General Motors, deren mangelhafte Zündschlösser etliche Todesfälle mit verursacht haben sollen, oder Volkswagen, die bei der Abgasemission ihrer Dieselmotoren Millionen Kunden ein X für ein U vormachte, unethischer oder krimineller ist. Die Armada von US-Klägeranwälten behandelt alle gleich. Doch klagefreudige Kunden sind bei Weitem nicht das einzige rechtliche Problem der Autobauer (Der Sündenfall, Seite 66). Die US-amerikanische Compliance-Expertin Donna Boehme sieht in dem Skandal ein Versagen des Compliance-Systems („Compliance und Recht unterscheiden sich fundamental“, Seite 48) – das Einfallstor für Ermittlungsbehörden weltweit, um sich auch hochrangige Manager vorzuknöpfen.

Entsprechend rüstet das Dax-Unternehmen auf und demonstriert Besserungswillen: Um sich scharen Unternehmen, Manager und Aufsichtsrat immer mehr Kanzleien als Krisenhelfer (Die Feuerlöscher, Seite 24). Bekannt sein dürfte nur ein Bruchteil der bereits engagierten Berater, zieht der Manipulationsskandal doch längt Kreise bis ins ferne China und nach Australien.

Verpestet ist die Atmosphäre auch beim sogenannten S&K-Prozess, bei dem sich derzeit mehr als 20 Verteidiger mit den Staatsanwälten beharken. Im Vergleich zu VW wirken die Vorwürfe eher niedlich (Die Aktenschlacht, Seite 36). 11.000 Anleger sollen die Angeklagten über den Tisch gezogen haben (voraussichtlich betroffene VW-Eigentümer: 11 Millionen), Schaden: 240 Millionen Euro (Schätzungen für VW: bis zu 50 Milliarden Euro). Dennoch: Der Fall S&K ist für viele individuell Betroffene deutlich schmerzhafter – auch das sollte nicht vergessen werden.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Astrid Jatzkowski

astrid.jatzkowski@juve.de

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