EDITORIAL 12/15

Goldrausch

Klos_Mathieu

Mathieu Klos

Richtig! Klondike liegt immer noch in Nordamerika, aber auch Deutschland nährt Goldgräberhoffnungen. Die Frequenz, mit der US-Kanzleien Büros in Deutschland eröffnen, ist jedenfalls beachtlich: Greenberg Traurig und Hausfeld in Berlin und nun auch Goodwin Procter in Frankfurt (Seite 6). In den Vereinigten Staaten hat man offensichtlich erkannt, dass der Lauf der deutschen Wirtschaft und der hiesige Immobilienboom gutes Geschäft versprechen. Und auch, dass die ansonsten so fleißigen und korrekten Deutschen Skandale wie Diesel- und DFBgate (Unter sich und Deutscher Filz Bund) im Monatsrhythmus produzieren, kann bei Investigationserfahrenen US-Kanzleien auf veritables Geschäft hoffen lassen.

Eine Handvoll weiterer US-Kanzleien, so ist zu hören, sind auf dem Weg nach Deutschland. Und weil sich Europa derzeit ein zentrales Patentgericht zulegt, ist der Hunger von US-Prozesskanzleien auf Europas bedeutsamen Patentmarkt Deutschland groß. Nur zeigen sich die IP-Stars hierzulande extrem wechselunwillig. Die Strategiediskussion um die Startaufstellung für das neue Gericht allerdings setzte gerade in den starken IP-Boutiquen so manche Fliehkräfte frei (Chic für Europa). Auf den ein oder anderen Quereinsteiger dürfen die US-Kanzleien dann wohl doch hoffen.

Aber vielleicht fühlen sich die US-Kanzleien auch einfach nur durch den Umstand angezogen, dass die deutsche Justiz endlich ins digitale Zeitalter eintritt. Anfang des Jahres wird das elektronische Postfach für Anwälte Pflicht. Die Gerichte haben je nach Bundesland noch länger Zeit. Ein Flickenteppich droht (Nie mehr Briefe frankieren).

Man darf gespannt sein, welche US-Kanzlei als nächste im Eldorado Deutschland aufmacht – oder wieder schließt. Denn auch das hat der deutsche Markt zuletzt etwa mit Sidley Austin erlebt.

Eine spannende Lektüre wünscht Ihnen

Mathieu Klos

mathieu.klos@juve.de

 

 

  • Teilen