EDITORIAL 7/15

C(l)ash of Cultures

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Ulrike Barth

Wir werden einen Kulturkampf der Kanzleien erleben“, prophezeit Stuart Fuller im JUVE-Interview (S. 34). Der Global Managing- Partner von King & Wood Mallesons meint damit gerade nicht die Schwierigkeiten der Mega-Kanzleien, Anwälte aus verschiedenen Kulturen und Kontinenten zusammenzuschmieden. Fuller geht es um Kanzleikulturen, darum, wie eine Sozietät das globale Geschäft angehen wird. Sind meine Anwälte eher Bedenkenträger oder Möglichmacher? Sind wir auch wirtschaftlich aneinander gekettet – oder ein loser Verbund autonomer Ländergesellschaften? Das Maß der Integration ist die eigentliche Frage.

Und eine, der sich letztlich alle stellen müssen. Die Arbeit deutscher Anwälte überschreitet immer häufiger die Ländergrenze. Der Zusammenschluss von Reimann Osterrieth und Hoyng Monegier zeigt: Der Trend erfasst sogar hochspezialisierte Boutiquen (Europäisches IP-Schwergewicht, S. 6). Deren künftig rund 100 IP-Anwälte stehen vor der gleichen Herausforderung wie die King & Wood-Partner: Einheitlichkeit herzustellen.

Finanzielle Integration ist dabei ein wichtiger Schlüssel. Aber auch die finanziellen Grundausstattung trägt dazu bei, wie schnell oder langsam eine Kanzlei Wachstum angehen kann. In Deutschland bleibt die Kanzleifinanzierung traditionell – gerade im Vergleich zu den deutlich flexibleren angloamerikanischen Kanzleien (Geldgeber, S. 26). Ob das entscheidend ist, um Spielraum für Expansion zu gewinnen, kann man bezweifeln. Nicht aber, dass die Impulse im globalen Rechtsmarkt aus den USA und Asien kommen – und nicht aus dem „alten Europa“.

Dass am Ende auch kulturelle Unterschiede aufeinandertreffen, zeigt die aktuelle TTIP-Diskussion. Mit transparenten Schiedsverfahren und einem internationalen Investitionsschiedsgerichtshof wollen die Europäer das in die Kritik geratene Abkommen retten. EU-Kommission und Bundeswirtschaftsministerium haben Position bezogen – ob aber die amerikanischen Partner sich in die neu erdachte heile Schiedswelt fügen, ist ebenso zweifelhaft wie die Lust der Europäer, sie zu finanzieren (Keine klare Linie, S. 70).

Ulrike Barth

ulrike.barth@juve.de

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