CLOSING 05/16

Die Strippenzieher

von Ulrike Barth

 

Die StrippenzieherSie haben auch schon darüber gegrübelt, wer wohl hinter den Panama Papers steckt? Was die geheime Quelle, aus der sich Terrabytes von Informationen ergossen haben, wohl für Hintergedanken dabei hatte, die Informationen öffentlich zu machen?

Wie JUVE exklusiv aufdeckt, haben die Panama Papers eine noch viel größere Dimension als bislang gedacht. Aluhüte aufgesetzt und aufgepasst!

Denn wie bei allen großen Mysterien unserer Zeit sind es wieder einmal Anwälte, die den Lauf der Geschichte vorantreiben. Nein, die Rede ist nicht von Mossack Fonseca. Die panamaische Kanzlei ist tatsächlich nur eine Randnotiz in einer weitaus größeren Geschichte, ja wahrscheinlich sogar ein nichtsahnendes Opfer im geheimen Kampf um die Weltherrschaft.

Unserer Redaktion legt ein Strategiepapier der globalen „Beratungsgesellschaft“ Demolition Inc & Partners vor, das Spektakuläres enthüllt. Panama Leaks war nur der Anfang und Teil einer gezielten Kampagne mit nur einem Ziel: Die Konkurrenz von MossFon im globalen Steuerverstecker-Markt auszuschalten. Detailliert zeichnet der Bericht nach, wie Hacker zuerst die Daten bei MossFon abgegriffen und dann über Mittelsmänner an ­Journalisten und Steuerbehörden auf aller Welt weiter verbreitet haben.

Parallel arbeitete die europäische Zentrale der Beratungsgesellschaft auch seit über zwei Jahren an ihrer Brexit-Kampagne: Durch gezielte PR-Maßnahmen wurde wesentlichen Teilen der leicht beeinflussbaren britischen Öffentlichkeit der Austritt aus der Europäischen Union schmackhaft gemacht.

Aber natürlich ist es auch kein Zufall, dass Premier David Cameron nun in die Panama Papers verstrickt ist. Die Schlagzeilen über den Wohlstand ihres Premiers sollen eine Anti-Eliten-, Anti-Establishment-, Anti-Cameron-Stimmung schüren und an sich eher pro-europäischen Labour-Anhängern ebenfalls in den Brexit treiben. Dann wäre Phase eins des teuflischen DemInc-Plans fast abgeschlossen.

Denn auch die Brüsseler Lobby-Abteilung der noch kleinen Organisation, die sich nun zur globalen Beratungskrake aufschwingt, hat inzwischen ganze Arbeit geleistet: Die neue ­EU-Richtlinie zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen wird es ­Whistleblowern und investigativen Journalisten in Zukunft deutlich schwerer machen, geheime Dokumente zu veröffentlichen. Ein zusätz­licher Schutz für den weiteren Plan der DemInc.

Der soll nach dem erfolgreichen Brexit-Referendum im Juni schnell die zweite Stufe zünden: London wird dann als europäischer Finanzplatz zerstört sein. Gleichzeitig schieben sämtliche Regierungen der Welt der Steuerflucht nach Panama einen Riegel vor. Nun beginnt die Recruitment-Abteilung der DemInc damit, arbeitslos gewordene Anwälte für ihre neu zu gründende britische Tochter anzuheuern. Während der Rest von Europa damit beschäftigt ist, Transparenzregister aufzubauen und die Datenströme ihrer Steuerfahnder zu harmonisieren, arbeitet DemInc über ihre Strohmänner im britischen Parlament an einer neuen Steuerverordnung für die Insel. In schnellen Schritten wird London zum neuen globalen Steuerparadies ausgebaut.

Phase drei: Der deutsche Briefkastenexport nach Großbritannien verfünffacht sich schlagartig, nachdem der globale Marktführer im deutschen Heidenheim an einen chinesischen Investor verkauft worden ist. Berater der Transaktion: die neue globale Großkanzlei DemInc.

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