CLOSING 11/16

Der Trump in dirDer Trump in dir.

von Ulrike Barth

 

Wissen Sie, was „Trumpiness“ ist? Die Wortkreation ist eine Erfindung des US-amerikanischen Komikers und Satirikers Stephen Colbert. Er geht zurück auf eine frühere Kreation Colberts, die „Truthiness“, in der Aussagen gemacht werden, die sich zwar wahr anhören, aber nichts mit der Wahrheit zu tun haben. „Trumpiness“ ist quasi die Steigerungsform der „Truthiness“: Hier müssen sich die Falschheiten noch nicht mal richtig anfühlen. Colbert folgert diesen neuen Geisteszustand daraus, dass viele Trump-Anhänger einer Umfrage zufolge zwar nicht glauben, was der republikanische Kandidat um die US-Präsidentschaft sagt und verspricht – sie ihn aber trotzdem unterstützen.

Natürlich überspitzt der Comedian Colbert damit die mangelnde Rationalität, mit der die Trump-Anhänger ihrem Kandidaten folgen. Wir Europäer haben da aber eigentlich nichts zu kichern, schließlich haben wir mit der Brexit-Entscheidung in puncto Anti- Rationalität zuletzt einen echten Meilenstein gesetzt. Vom sicheren Festland aus beobachtet man derzeit gespannt, was die Briten nun mit dem Ergebnis anfangen.

In der Kanzleiwelt diskutieren die englischen Freunde in der Brexit- war-vielleicht-doch-ein-Fehler-Phase gerade den heißesten Merger des Jahres: CMS Cameron McKenna Nabarro Olswang.

Zumindest Aussprache-Trainer dürften an dieser Wortschlange ihre wahre Freude haben. Spätestens nach der zehnten schnellen Wiederholung wird einem die schwindelerregende Bedeutung dieses Zusammenschlusses klar. Als Journalist fragt man sich da unwillkürlich: Geht das nicht doch ein bisschen griffiger? Um der Praktikabilität willen und weil unsere Zungenspitzen ohnehin schon regelmäßig an dem Wortmonster Skadden Arps Slate Meagher & Flom zerbrechen. Versuchen Sie mal auf dem nächsten After-Work-Talk zum Thema „Brexit – was kommt nun?“ die neue Nummer sechs im britischen Kanzleimarkt nach dem dritten Cocktail geschickt ins Gespräch einzufädeln – und schreiben Sie mir gerne, wie es gelaufen ist. Wir könnten uns gut vorstellen, dass mit einem echten Namens-Merger ein noch stärkerer Marktantritt zu schaffen wäre. „CMS Nabawang“ zum Beispiel könnte dem Durchbruch auf dem asiatischen Markt Tür und Tor öffnen.

Wobei wir Deutschen natürlich die ersten sind, die den Charme komplexer Kanzleinamenskonstrukte verstehen. In der Heimat von Würtenberger Winstel Kern Pawlik, Winter Brandl Fürniss Hübner Röss Kaiser Polte und LADM Liesegang Aymans Decker Mittelstaedt & Partner wird man mir da sicher zustimmen. Die Namensschlange als essenzielles Kanzleimarketing-Instrument wird in der Außenwahrnehmung gerne mit Bodenständigkeit und tiefer regionaler Verwurzelung assoziiert. Vielleicht ist das die geheime Botschaft des CMS Cameron McKenna-Nabarro-Olswang- Mergers? Der tiefen Verbundenheit für den heimischen Markt wieder mehr Raum zu geben?

Das ist natürlich nur der verzweifelte Versuch, zwischen den Zeilen zu lesen. Denn die offiziellen Verlautbarungen zum britischen „Drei-Wege“-Merger klingen allzu vertraut, sie stehen wahrscheinlich Wort für Wort so in einem kleinen Standardwerk der Kanzlei-Fusions-Kommunikation. Der Merger wird natürlich nur Vorteile für die Kanzleien haben, die sich da zusammenschließen, weil ihr Geschäft so gut zueinander passt. Die Partner stehen geschlossen hinter dem Plan. Und natürlich wird dieser Merger nicht aus Schwäche, sondern aus Stärke heraus geboren. Ob wir es hier mit Truthiness oder Trumpiness zu tun haben, wissen wir dann erst in ein paar Jahren.

  • Teilen