DEAL DES MONATS 06/16

Wächter über die Macht

Inhousejuristen und Oppenländer erwecken Printvermarkter Score Media zum Leben

Einigen sich zwei Verleger … Kein anderer Witz über die Verlagsbranche könnte besser beschreiben, wo die gesellschaftsrechtlichen Herausforderungen bei der Gründung der Vermarktungsallianz Score Media lagen: 23 Verlage und die unterschiedlichen Interessen der Medienfürsten unter einen Hut zu bringen. Angesichts der wirtschaftlichen Lage war der Schulterschluss bitter nötig, aber der drohende Verlust der bisherigen Preis­hoheit schien manchem Verleger sehr groß.

Die Idee zum neuen nationalen Crossmedia-Vermarkter, der großen Vermarktungsallianzen wie Media Impact von Springer oder den Vermarktungsarmen der TV-Sender etwas entgegensetzen soll, nahm im ersten Quartal 2015 konkrete ­Gestalt an. Seinerzeit gründete sich eine Arbeitsgruppe bestehend aus den Kaufleuten der zehn sogenannten Rückgratverlage, die den engsten Gesellschafterkreis bilden, sowie einem Vertreter der Reichweiten­verlage, die über eine Bündelgesellschaft an Score Media beteiligt sind.

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Adrian Schimpf (Madsack Mediengruppe)

Sie bildeten verschiedene Module, eines davon Recht, und verteilten die Modul-Verantwortung jeweils an unterschiedliche Rückgratverlage. Das Rechtsmodul ging an Madsack und schnell kam Adrian Schimpf, Leiter Recht und Personal der Madsack Mediengruppe, mit seinem Team an Bord. Alle vier Wochen trafen sich alle Beteiligten in einem Steuerungskreis in Frankfurt und zogen punktuell die Modulverantwortlichen hinzu.

Ende April 2015 wurden die aufwendigen Verhandlungen in den Letter of Intent (LoI) gegossen. Ein 18-seitiges Dokument, gespickt mit 13 Paragrafen, kam dabei heraus – nicht zuletzt dank Schimpf, der zu den treibenden Kräften gehörte, wenn es darum ging, möglichst genaue Regelungen bereits in der Absichtserklärung zu treffen. Dazu gehörten neben dem ambitionierten Zeitplan, den Rechten und Pflichten der Gesellschafter auch die Wahl der Gesellschaftsform sowie Aus- und Beitrittsbestimmmungen, die Bündelung der Reichweitenverlage und Entscheidungsbefugnisse der Geschäftsführung. Hinzu kamen die Regeln zu den Stimmrechten, denen allein wegen der vielen und unterschiedlich großen Verlage langwierige Diskussionen zugrunde liegen. Am 21. September 2015 – daran kann sich Schimpf genau erinnern – unterschrieben alle Verleger auf ihrem Zeitungskongress in Regensburg den hart erarbeiteten LoI.

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Rolf Leinekugel (Oppenländer)

Kurz darauf übergaben sie ihn an Rolf Leinekugel, der daraus einen Gesellschaftsvertrag sowie Vermarktungsverträge formen sollte. Den Oppenländer-Partner hatten die Verlagsleute auserkoren, weil er bereits die Neuaufstellung des Vermarkters für regionale Zeitungen im Digitalbereich, die Online Marketing Services, beraten hatte. Deren Großgesellschafter sind nun auch überwiegend Teilhaber der Score Media. Für Leinekugel waren die Verträge gesellschaftsrechtliches Hochreck – eine der besonderen Herausforderungen lag darin, ein ausgewogenes Machtverhältnis zwischen den Rückgrat- und Reichweitenverlagen herzustellen. Kaum war dies gelungen, änderte sich auch wieder die Ausgangslage: Mit der Übernahme von 30 Zeitungen der Medienholding Nord durch die Neue Osnabrücker Zeitung wurde aus einstigen Reichweitenverlagen ein Rückgratverlag, aus derer zehn wurden elf und die Verhältnisse verschoben sich erneut.

Auch kartellrechtliche Fragen und eine kritische Medienberichterstattung begleiteten die komplexe Neugründung. Rund ein Jahr nach den ersten konkreten Gesprächen haben die Gesellschafter den Vertrag schließlich unterzeichnet. In diesem Sommer soll Score Media ihre Arbeit aufnehmen und den Werbekunden nicht nur eine Printauflage von neun Millionen Stück, sondern auch eine crossmediale Reichweite von 41 Millionen Nutzern pro Monat bieten. Dann können die Verleger beweisen, dass sie sich nicht nur auf dem Papier einig sind. (SB)

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