DEAL DES MONATS 08/16

Roboter-Fans aus Fernost

Mit Freshfields-Hilfe wollen Chinesen den Automatisierungskonzern Kuka kaufen

Siebeneinhalb Jahre – das ist eine außergewöhnlich lange Laufzeit für eine Investorenvereinbarung. Ausgehandelt hat sie Dr. Siegfried Schwung, seines Zeichens Chefjurist von Kuka. Mit dem Vertragswerk erhält Kuka eine große Unabhängigkeit von ihrem neuen Großinvestor aus Fernost, bis 2023 sind alle Jobs und Standorte gesichert.

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Arend von Riegen (Freshfields Bruckhaus Deringer)

Schwung und sein Stellvertreter Marcus Gebert konnten selbstbewusst in die Verhandlungen gehen. Denn der chinesische Hausgerätehersteller Midea hatte angekündigt, gut 4,5 Milliarden Euro für den Augsburger Automatisierungsspezialisten Kuka in die Hand zu nehmen.

Mit einem bindenden Vertrag nach deutschem Recht erreichten sie, dass die Börsennotierung des MDax-Konzerns über die nächsten Jahre erhalten bleibt und Kuka weiter die Marken und Patente hält. Auch dürfen keine Daten der Geschäftspartner und Kunden ins Reich der Mitte gelangen, dafür sorgt eine Abschirmungsvereinbarung.

Ausgehandelt wurde der Deal in diversen Treffen, die dem Vernehmen nach in Frankfurt mit Mideas General Counsel TK Song stattfanden. Die erfahrenen Kuka-Juristen hatten dafür Clifford Chance an ihrer Seite, vor allem Corporate-Partner Dr. Andreas Dietzel. Midea hatte Freshfields Bruckhaus Deringer mandatiert. Dort dürfte vor allem dem Frankfurter Partner Dr. Arend von Riegen das Herz höher schlagen. Denn diesmal sieht es so aus, als ob er mit seinem Team die größte chinesische Direktinvestition in Deutschland erfolgreich ins Ziel steuern wird.

Im Februar hatte er beim bis dato größten chinesischen Zukauf hierzulande noch das Nachsehen mit seiner Mandantin China Tianying. Das Rennen um die E.on- Müllverbrennungssparte Energy from Waste machte Bejing Enterprises. Doch die Niederlage war verkraftbar, zumal Freshfields dort für einen weiteren unterlegenen chinesischen Bieter tätig war, hinter – und selten passte der Begriff so gut – Chinese Walls.

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Siegfried Schwung (Kuka)

Überhaupt läuft es für die Kanzlei im Moment bemerkenswert gut im China- Geschäft. Einen Grundstein dafür legte die deutsche Praxis 2008, als der Frankfurter Partner Dr. Heiner Braun die Leitung des Schanghaier Büros übernahm. 2013 kehrte er nach Hessen zurück. Jüngere Beispiele waren die Arbeit für ChemChina beim Kauf des Maschinenbauers KraussMaffei oder für die Deutsche Bank, die ihre milliardenschweren Anteile am Geldhaus Hua Xia abstieß.

Dass die Chinesen nun auch an Kuka Gefallen gefunden hatten, pfiffen die Spatzen schon im Frühjahr von den Börsendächern. Denn Midea sicherte sich über die Tochterfirma Mecca International über zehn Prozent der Kuka-Aktien. Und sie hatte sich öffentlich einen Sitz im Kuka- Aufsichtsrat gewünscht, bevor sie eines Nachts überraschend ihre öffentliche Offerte absandte. Mancher hegte Zweifel, ob diese freundlich war. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel ließ gar wissen, dass ihm europäische Investoren lieber wären. Doch Branchenkenner gaben einer Gegenofferte wenig Chancen, schließlich bot Midea einen hohen Preis.

Und sie ist mit ihrer Kauflust nicht allein: Lag der chinesische Anteil am globalen M&A-Geschehen vor zehn Jahren noch bei 1,7 Prozent, sind es heute 26 Prozent. Das sorgt für Hochstimmung bei M&A-Beratern, die auf Deals mit chinesischer Beteiligung spezialisiert sind. Vor allem Deals im Wert von über eine Milliarde Euro werden häufiger – so wie eben auch der Zukauf des Roboterherstellers Kuka. Bis Redaktionsschluss hatten sich die Chinesen schon 57 Prozent der Kuka-Aktien gesichert. Die zwei anderen Großaktionäre, der Voith-Konzern und der Unternehmer Friedhelm Loh, hatten wenige Tage nach der Investorenvereinbarung bekannt gegeben, das attraktive Angebot aus Fernost anzunehmen. (smb, RB)

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