EDITORIAL 03/16

Die Cash-Frage

Barth_Ulrike

Ulrike Barth

Es geht ums Geld. Zum Beispiel um das Geld, das ein Top-Anwalt bekommen kann. Ein Shootingstar, der seinen Marktwert kennt, wird derzeit bei dem Thema vor allem Dollarzeichen in den Augen haben. Denn es sind die US-Kanzleien, die ihren britischen Wettbewerbern die Besten abjagen, weil die in dem erfolgsbasierten Vergütungssystem der Amerikaner deutlich bessere Gewinnaussichten haben. Jüngstes Beispiel: Dr. Rainer Traugott, der Linklaters den Rücken kehrt und zu Latham & Watkins wechselt (Nachricht S. 6).Ob sein Wechsel bei Linklaters die Diskussion über den Lockstep wieder anheizt?

Es geht auch um das Geld, das am Monatsende nicht in den Taschen weiblicher Associates landet. Denn es gibt ihn wirklich, den Gender Pay Gap in der Anwaltsszene. Doch viel drängender ist für Frauen in Großkanzleien immer noch die Frage nach dem Aufstieg (Club der Ratlosen, S. 24). Zwar gibt es viele Programme zur Frauenförderung, aber immer noch wenige Partnerinnen. Ob sich das wohl mal ändert?

Es geht um das Geld, das Unternehmen ihren Kanzleien zahlen wollen. Zum Beispiel, wenn EnBW jetzt ein neues Panel aufsetzt (Nachricht, S. 50). Dabei setzt der Energieriese auf kleinere Kanzleien und mehr Inhouse-Arbeit, auch weil Rechtsabteilungsleiter Dr. Bernd-Michael Zinow sparen muss. Ob sich die Anwälte wohl ärgern, dass sie dann nur noch Economy fliegen dürfen?

Bei den Energiekonzernen geht es derzeit vor allem um das Geld, das sie als Kompensation für ihre stillgelegten Atomkraftwerke von der Politik fordern (Spaltung in der Kernfrage, S.78). Auf unterschiedlichsten Wegen klagen die Konzerne gegen die Länder und/oder die Bundesregierung. Ob es nach der Verhandlung vor dem Bundesverfassungsgericht zu einer neuen politischen Einigung kommt?

Viel Spaß beim Grübeln über das Geld und was dahinter steht wünscht

Ulrike Barth
(ulrike.barth@juve.de)

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