EDITORIAL 08/16

London calling

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Ulrike Barth

Krieg, Hungersnot, Zerstörung – der Song von „The Clash“ aus dem Jahr 1979 versetzt London in ein echtes Endzeit-Szenario. So schlimm wird es wohl nicht kommen, wenn sich die Insel von Europa lossagt. Politisch ist der Brexit derzeit eher ein Weckruf. Trotzdem wird die Wirtschaftswelt noch ordentlich durcheinandergewirbelt, wenn England und die EU sich scheiden lassen.

Für Anwälte gilt erst mal „bad news are good news“. Schließlich stehen die Telefone nicht mehr still, seit verunsicherte Mandanten sich fragen, was der drohende Brexit für sie bedeutet. Doch gerade für die Londoner Kanzleien birgt der EU-Austritt noch große Gefahren. Denn das „Raus“ wird früher oder später ihre Geschäftsmodelle verändern. (Katerstimmung)

Daneben bringt der Brexit auch eine Menge praktischer Detailfragen mit sich. Was machen eigentlich die deutschen Kanzleien, die heute als LLP firmieren? Sie müssen wohl nicht „raus“ aus der Rechtsform. Oder kommt jetzt gar der große Siegeszug der Partnerschaftsgesellschaft mit beschränkter Berufshaftung als präferierte Existenzform für Kanzleien? (Ein bunter Tupfer weniger)

Und was ist mit dem ehrgeizigen EU-Projekt des Unified Patent Court (UPC)? Paris, München und London sollten Standorte der Generaldivision werden. Bleibt das auch nach dem Brexit so? (Niemals geht man so ganz)

Unsere Redaktion hat erste Antworten auf das Nein der Briten zur EU gesucht. Gefunden haben wir zwangsläufig viele offenen Fragen. Aber Kopf hoch. Aus dem Ende einer Ära kann auch etwas Neues entstehen. „Phoney Beatlemania has bitten the dust“, singen The Clash in ihrem legendären Song. Nach der Beatlemania kam der Punk. Und der war doch ein ziemlicher Exportschlager.

Ulrike Barth
(ulrike.barth@juve.de)

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